• vom 07.09.2018, 09:02 Uhr

Europastaaten


Moskau

Bloß keine Konkurrenz




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Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner

  • Vier systemkonforme Kandidaten treten in Moskau gegen Bürgermeister Sergej Sobjanin an.

Der kremltreue Sergej Sobjanin ist seit 2010 Bürgermeister Moskaus. - © reu/Shemetov

Der kremltreue Sergej Sobjanin ist seit 2010 Bürgermeister Moskaus. © reu/Shemetov

Der einst verrufene Gorki-Park wurde zum In-Treffpunkt.

Der einst verrufene Gorki-Park wurde zum In-Treffpunkt.© afp/Antonov Der einst verrufene Gorki-Park wurde zum In-Treffpunkt.© afp/Antonov

Moskau. Es gab eine Zeit, als die Moskauer den Gorki-Park mieden. Mit den Schlaglöchern, den baufälligen Resten eines noch unter Stalin eröffneten Vergnügungsparks und schäbigen Verkaufsbuden galt er lange als Symbol des postsowjetischen Verfalls. Doch inzwischen rollen junge Moskauer auf Inlineskates über die Uferpromenade, schlürfen ihren Skinny Latte Macchiato auf den Parkbänken oder kreisen in Tretbooten auf dem kleinen Baggerteich. Kulturliebhaber flanieren durch die "Garage", ein vom niederländischen Stararchitekten Rem Kohlhaas entworfenes Zentrum für zeitgenössische Kunst, am Abend wummert der Bass über den perfekt getrimmten Rasen und die bunten Blumenbeete.

Vom Schandfleck zum neuen Hipster-Treff: Fast ist es so, als wehe wieder ein "Wind of Change" durch den Park am rechten Ufer der Moskwa, wie ihn schon die deutschen Soft-Rocker Scorpions 1990 besungen hatten. Hipper, sportlicher, sicherer und grüner ist die russische Metropole mit den zwölf Millionen Einwohnern in den vergangenen Jahren geworden - so wollen es zumindest die vielen Wahlplakate glauben machen, die wenige Tage vor den Bürgermeisterwahlen die Straßen der russischen Hauptstadt säumen. Am Sonntag wird in Moskau gewählt, landesweit finden in Russland eine ganze Reihe von Wahlen statt, wie etwa Gouverneurswahlen in 21 Verwaltungsbezirken und Kommunalwahlen.


Der kremltreue Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin muss nicht um seine Wiederwahl zittern - was freilich daran liegt, dass schon im Vorfeld alle Oppositionskandidaten ausgesiebt worden sind. Das Wahlgesetz schreibt den Kandidaten vor, eine Mindestanzahl an Unterschriften von lokalen Abgeordneten zu sammeln, unter denen die Kreml-Partei "Einiges Russland" den Ton angibt. Eine Hürde, an der die bekanntesten Gegenkandidaten Dmitrij Gudkow und Ilja Jaschin gescheitert sind. Vier systemkonforme Kandidaten treten am Sonntag gegen Sobjanin an. Laut dem staatlichen Umfrageinstitut Wziom könnte Sobjanin auf 65 Prozent der Stimmen kommen.

Orte für die Mittelklasse
So fühlt sich der Wahlkampf weniger nach politischem Wettbewerb denn einer gut geölten PR-Maschine an, in dem es mehr darum geht, die Moskauer an die Urne zu locken, um zumindest eine passable Wahlbeteiligung zu erreichen und den Urnengang zu legitimieren. Fahrradbrigaden radeln mit Jubel-Fahnen ("Sobjanin ist mein Bürgermeister!") durch die Stadt. Auf den Bildschirmen in der Metro wird für das Freizeitprogramm in den neu renovierten Parks geworben. In sozialen Medien wird unter dem Hashtag #zaSobjanina seit Wochen für den 60-jährigen "City-Manager" Stimmung gemacht.

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Dokument erstellt am 2018-09-06 15:42:03
Letzte Änderung am 2018-09-06 16:38:22


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