• vom 10.09.2018, 20:32 Uhr

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Kataloniens Separatisten bereiten "heißen Herbst" vor




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Von Manuel Meyer

  • Ein Jahr nach Referendum: Bis zu eine Million Katalanen werden bei der Demo am Unabhängigkeitstag erwartet.

Ein Protestzug für die Unabhängigkeit Kataloniens.

Ein Protestzug für die Unabhängigkeit Kataloniens.© afp/Gene Ein Protestzug für die Unabhängigkeit Kataloniens.© afp/Gene

Barcelona/Madrid. (apa) Am Dienstag werden Kataloniens Unabhängigkeitsbefürworter wieder zu Hunderttausenden die Straßen der katalanischen Mittelmeermetropole Barcelona füllen. Schon seit über sechs Jahren vereinen separatistische Bürgerbewegungen an jedem 11. September bis zu eine Million Menschen, um für die Loslösung der Region von Spanien und das Recht auf Selbstbestimmung zu protestieren.

Auch am Dienstagwerden mindestens eine Million Menschen erwartet. Laut dem Protestmarsch-Veranstalter, der separatistischen Bürgerplattform ANC, haben sich bereits 400.000 Personen eingeschrieben. Fast 1400 Busse wurden gechartert, um tausende Unabhängigkeitsbefürworter aus den ländlichen Regionen nach Barcelona zu bringen. Das Motto wird "Fem la Republica" lauten - "Machen wir die Republik". Damit wollen die Veranstalter klarstellen, dass endlich das Mandat umgesetzt werden muss, welches jene Katalanen der Regionalregierung vor einem Jahr gaben, die an dem Referendum teilnahmen. Das waren knapp 42 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung. Rund 90 Prozent von ihnen waren für eine Loslösung von Madrid. Freilich hatte das Verfassungsgericht zuvor das Unabhängigkeitsreferendum verboten und für illegal erklärt.


Als der damalige katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont wenige Tage darauf die Schaffung eines eigenen Staates ankündigte, wurde seine separatistische Regionalregierung von Madrid aus abgesetzt und die Region monatelang unter die Zwangsverwaltung der spanischen Zentralregierung gestellt.

Zahlreiche Mitglieder der damaligen Regionalregierung befinden sich heute wegen Rebellion in Untersuchungshaft. Andere wie Carles Puigdemont flüchteten vor der spanischen Justiz ins europäische Ausland. So wird der Protestmarsch am Dienstag unteranderem auch die sofortige Freilassung der "politischen Gefangenen" fordern. Die separatistischen Massenproteste finden traditionell am 11. September statt, dem katalanischen Nationalfeiertag. Am 11. September 1714 unterlag die Region im Zuge der Spanischen Erbfolgekriege den französisch-spanischen Truppen des Bourbonen-Königs Philipp V. Kataloniens Adelige hatten sich auf die Seite des Habsburgers Karl VI. geschlagen. 15 Monate wurde Barcelona belagert. Am 11. September fiel die Stadt und Katalonien wurde ins spanische Königreich eingegliedert, verlor seine Selbstverwaltung.

Protestaktionen bis zum
3. Oktober geplant

Obwohl Katalonien niemals ein unabhängiges Königreich war, haben die Separatisten diesen Tag zum Symbol ihres Unabhängigkeitskampfes gemacht. So wird es am Dienstag der Protestmarsch zwischen Glories und dem Palau Reial um 17.14 Uhr mit einem 3-minütigen Schweigemoment beginnen. Der Marsch wird allerdings nur ein Auftakt zu einer ganzen Serie von Protesten sein. Bis zum 3. Oktober wollen selbst ernannte "Komitees zur Verteidigung der Republik" in ganz Katalonien Protestaktionen und sogar Straßensperren errichten.

In Barcelona wollen sie nach dem Vorbild der Taxi-Proteste vom Juli sämtliche Zufahrtsstraßen nach Barcelona und zum internationalen Flughafen mit Sitzprotesten und Autos absperren. Bewusst wurde für das Ende der Protestserie der 3. Oktober gewählt. An jenem Tag verurteilte Spaniens König Felipe vor genau einem Jahr die Abhaltung des Unabhängigkeitsreferendums und brachte damit viele Katalanen gegen sich auf.

Eine baldige Lösung des Katalonien-Konflikts ist unterdessen kaum in Sicht. Zwar stellte Spaniens neuer und dialogbereiterer Ministerpräsident Pedro Sanchez Katalonien ein Referendum über mehr Autonomie in Aussicht. "Doch vor allem nach den Ereignissen des letzten Jahres geben sich Kataloniens Separatisten damit nicht mehr zufrieden", erklärt Politologe Oriol Bartomeus.




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Dokument erstellt am 2018-09-10 18:24:07


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