• vom 08.10.2018, 20:59 Uhr

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Rumänien

Katerstimmung nach gescheitertem Referendum




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    Bukarest. In Rumänien herrscht Katerstimmung bei den Organisatoren und Förderern des gescheiterten Referendums zur Verankerung des Verbots der Homo-Ehe in der Verfassung. In mehreren Parteien brachen am Montag Führungsdebatten aus. Die orthodoxe Kirche teilte mit, die Haltung der Wählerschaft "zu respektieren".

    Das Amt von Patriarch Daniel, dem Oberhaupt der rumänisch-orthodoxen Kirche, ließ die Wählerschaft am Montag in einer Presseaussendung wissen, dass man ihre Boykott-Haltung "zu respektieren wisse" und "prüfen" wolle. Die Menschen hätten klargestellt, dass sie sich "eine auf Bürgerfreiheiten beruhende Demokratie" wünschen.


    Bürgerinitiative löst sich auf
    Angesichts des Boykotts durch knapp 80 Prozent der Wähler teilte auch der Urheber der Bürgerinitiative für das Referendum, die "Koalition für die Familie", mit, sich mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Auch bei den regierenden Postsozialisten (PSD) und den oppositionellen Liberalen (PNL) hing der Haussegen am Montag schief: Während die PSD-Größen sich nicht äußerten, witterten die parteiinternen Rebellen Aufwind. So warf der Bukarester Bezirksbürgermeister Robert Negoita seinem Parteichef Liviu Dragnea "Realitätsfremdheit" vor.

    Streit gab auch in den Reihen der oppositionellen Liberalen, nachdem PNL-Chef Ludovic Orban dezidiert für die "traditionelle Familie" geworben hatte. Viele Parteigrößen warfen Orban am Sonntagabend vor, sich mit seiner Positionierung die Partei "von etwa 70 Prozent seiner Wählerschaft entfremdet" zu haben, und forderten Konsequenzen.

    Der Chef der bürgerlichen USR, Dan Barna, dessen Partei als eine der wenigen Oppositionskräfte offen für den Referendumsboykott geworben hatte, warf indes der Regierung vor, 40 Millionen Euro für "ein Hirngespinst" verplempert zu haben, und forderte den Rücktritt von Regierungschefin Viorica Dancila (PSD).




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    Dokument erstellt am 2018-10-08 17:30:33


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