• vom 11.10.2018, 07:30 Uhr

Europastaaten


Grüne

Erfolg als Anti-CSU




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander Dworzak aus Bayern

  • Die Grünen geben sich in Bayern geeint und buhlen erfolgreich um bürgerliche Wähler.

Die Parteichefs Robert Habeck und Annalena Baerbock spulen mit den bayerischen Spitzenkandidaten einen Harmoniewahlkampf mit grünen Kernthemen ab.

Die Parteichefs Robert Habeck und Annalena Baerbock spulen mit den bayerischen Spitzenkandidaten einen Harmoniewahlkampf mit grünen Kernthemen ab.© afp/von Jutrczenka Die Parteichefs Robert Habeck und Annalena Baerbock spulen mit den bayerischen Spitzenkandidaten einen Harmoniewahlkampf mit grünen Kernthemen ab.© afp/von Jutrczenka

Gilching. Manch gestandenem Oberbayern bereitet schon ein Franke als Ministerpräsident im Freistaat Bauchschmerzen. Robert Habecks geografische Heimat liegt hunderte Kilometer nördlich des Weißwurstäquators, in Schleswig-Holstein. Seine politische ist mittlerweile Berlin, der 49-Jährige amtiert seit Jahresbeginn als Bundesvorsitzender der Grünen. Was macht der "klassische Fischkopp", Zitat Habeck, tief im Süden? Er angelt erfolgreich nach Wählern.

Seit Wochen tourt Habeck durch Bayern. Tritt unter dem Motto "Prost! Mahlzeit!" im Bio-Supermarkt auf, wird unter "Frag Robert" und "Triff Robert" angekündigt. Analog dazu ist die zweite Bundesvorsitzende, Annalena Baerbock, unterwegs. Die Grünen-Vorderen treten entweder alleine auf oder mit jeweils einem der beiden Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am Sonntag, Ludwig Hartmann und Katharina Schulze. Vier Personen, die an einem Strang ziehen, lautet die Botschaft. Bei der regierenden CSU sind einander nicht einmal die beiden Größen grün, Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder.


Marginalisierte Fundis
Die Christsozialen steuern auf ein Debakel zu, sie stehen bei 33 Prozent der Stimmen. Bei der Wahl 2013 waren es noch 47,7 Prozent. Vor fünf Jahren zogen die Grünen als viertgrößte Partei in den Landtag ein, erreichten 8,6 Prozent. Nun prognostizierten die Meinungsforscher unisono Platz zwei für die Öko-Partei und 18 Prozent.

Entsprechend gut ist die Stimmung in Gilching, eine halbe Stunde Zugfahrt südwestlich von München. Rund 100 Personen sind ins neue Rathaus gekommen, um Habeck und Hartmann zu hören. "Wir wollen ein Signal an Berlin und nach Europa senden", sagt Robert Habeck. "Man verliert Wahlen nicht nur an den rechtspopulistischen Rand. Die Mehrheit befindet sich in der liberalen, progressiven Mitte."

Dort wird traditionell das Kreuz bei der CSU gemacht. Doch Teile dieses Wählersegments sind die ständige Konfrontation von Seehofer und Söder mit Kanzlerin Angela Merkel in Migrations- und Asylfragen ebenso leid wie die Scharmützel zwischen den CSU-Granden. Und von der bürgerlichen Mitte ist es in Bayern kein weiter Weg zu den Grünen. Der Landesverband steht nicht links, das stets bemühte Duell zwischen Realo- und Fundi-Flügel spielt keine Rolle - wie nun auch bei der Bundespartei.

Im Zehn-Punkte-Programm der bayerischen Grünen rangiert Integration auf Platz neun. Personen mit einem Ausbildungsplatz sollten "einen sicheren Status", erhalten, also ein Bleiberecht. Abschiebungen nach Afghanistan und "Sammellager" für Migranten lehnen die Grünen ab. An den ersten Stellen stehen aber grüne Klassiker: Artenschutz, Gleichberechtigung und Naturschutz. In Gilching liegen neben dem Aufkleber "Hass ist keine Alternative für Deutschland" - als Antithese zur AfD - auch Folder zu "Frauen in die Parlamente" auf. "Wir wollen die Bienen retten", steht auf Säckchen mit Vogelfutter.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-10 18:09:55
Letzte Änderung am 2018-10-10 18:46:32


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Rhein bildet ein Delta aus
  2. Regierung zwingt Justiz auf Linie
  3. Das Drama hinter dem Vorhang
  4. Zehn entscheidende Tage für Mazedonien
  5. Abkommen zwischen EU und Schweiz droht zu scheitern
Meistkommentiert
  1. Griechenland will 280 Milliarden Euro von Deutschland
  2. Seehofer bezeichnet GroKo als "stabil"
  3. Europas Flucht nach vorne
  4. Kern tritt nicht bei EU-Wahl an
  5. Kurz gibt CSU Wahlhilfe

Werbung




Werbung