"Wiener Zeitung":

Weltschmerz: Das Jahr 2012 wird noch turbulent. Dan Saelinger/Corbis - © © Dan Saelinger/Corbis
Weltschmerz: Das Jahr 2012 wird noch turbulent. Dan Saelinger/Corbis - © © Dan Saelinger/Corbis

Sie haben soeben den Bericht über das globale Wachstum präsentiert. Wie dramatisch ist die Revision der Prognose?

Andrew Burns: Die Lage unterscheidet sich stark von Juni 2011. Die Welt hat sich seit unserem letzten Bericht verändert und ist verwundbarer geworden. Die fiskalischen Probleme in Europa haben sich verschärft, die Turbulenzen haben auch die Entwicklungsländer angesteckt: Für diese haben wir die Prognose für 2012 von 6,2 auf 5,4 Prozent revidiert. Das wäre die schlechteste Wachstumsrate eines ganzen Jahrzehnts, wenn man 2009 ausklammert.

Für die Industriestaaten mit hohem Einkommen erwarten wir nun nur noch 1,4 Prozent statt 2,7 Prozent und für die Eurozone gehen wir von minus 0,3 Prozent aus - da hatten wir im Juni noch ein Plus von 1,9 Prozent erwartet.

Was erwarten Sie: Wird Europas Schuldenkrise weiter eskalieren?

Unser Basisszenario geht von keiner signifikanten Verschlechterung in Europa aus. Unsere Einschätzung ist, dass die Verantwortlichen bedeutende Schritte gemacht haben und falls nötig machen werden. Wir haben aber auch zwei Szenarien berechnet, falls die Dinge schlechter laufen.

Wie sehen diese aus?

Wir spielen eine Reihe von Schocks durch - von einer harten Landung, weil sich in China und Brasilien das Wachstum abgeschwächt hat, bis zu Turbulenzen im Ölmarkt wegen der Entwicklungen im Mittleren Osten, Nordafrika und am Persischen Golf oder zur Möglichkeit, dass der Bankensektor in Entwicklungsländern unter Stress kommt.

Für Europa gibt es zwei Simulationen, die eher als Denkvariante denn als Prognose zu sehen sind. Erstens: Ein oder zwei kleinere Länder werden vom Kapitalmarkt ausgeschlossen, was die Wirtschaftsleistung stark einbrechen lässt - dort und anderswo. Das würde mindestens einen Einbruch um zwei Prozentpunkte für die Entwicklungsländer bedeuten. Deren Wachstum würde also auf 3,2 bis 3,3 Prozent sinken.

Sollte gar eine Reihe größerer Volkswirtschaften vom Kapitalmarkt ausgeschlossen werden, hätten wir eine sehr ernste Krise. Das würde das Wachstum der Entwicklungsländer fast um 4,5 Prozent reduzieren.

Das klingt dramatisch. Warum würden die Entwicklungsländer so hart getroffen?