Zagreb/Split. In Kroatien wird die für Donnerstag avisierte Entscheidung der UEFA-Disziplinarkommission in der "Hakenkreuz-Affäre" von Split erwartet. Wie immer auch geurteilt wird, das Problem rassistischer Ausfälle kroatischer Fans wird sie nicht stoppen. Das meint der Soziologe Drazen Lalic von der Universität Zagreb. Er kritisiert: "Jahrelang wurde nichts gegen faschistische Parolen in Stadien unternommen."

Unter kroatischen Fans gehörte etwa die Parole "Za dom - spremni!" ("Für die Heimat - bereit!") jahrelang quasi zum Standard-Repertoire. International bekannt wurde dieser Gruß, weil ihn Team-Kapitän Josip Simunic im Herbst 2013 nach der geglückten Qualifikation für die WM-Endrunde in Brasilien den begeisterten Fans über das Stadionmikrofon zugerufen hatte. Es handelt sich dabei aber um die Parole der faschistischen Ustascha-Bewegung in Kroatien. Die 1929 gegründete Ustascha war während des Zweiten Weltkriegs eine enge Alliierte der deutschen Nationalsozialisten. Zur Verdeutlichung: Den Ruf "Za dom - spremi!" anzustimmen ist in etwa so, als würde ein österreichischer oder deutscher Teamspieler die Zuschauer animieren, "Sieg Heil!" zu skandieren.

"Tötet den Serben"

Ab der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea 2002 sei die Parole "Za dom - spremni!" immer öfter zu hören gewesen, erinnert sich auch der Sportjournalist Drazen Kruselj, der seit 1997 über die kroatische Fußball-Nationalmannschaft berichtet. Auch vor Rufen wie "Ubij Srbina!" ("Tötet den Serben") oder "Ajmo Ustase!" ("Vorwärts Ustascha") wurde nicht mehr zurückgeschreckt. Konsequenzen gab es nie.

Zumindest nicht von kroatischer Seite. International wurden der kroatische Fußball-Verband HNS und in den europäischen Clubbewerben engagierte Vereine wie Dinamo Zagreb, Hajduk Split und HNK Rijeka wegen Hooligan-Vergehen häufig zur Kasse gebeten. Insgesamt mussten sie in den vergangenen sieben Jahre 2,3 Millionen Euro an Strafen zahlen. Auch das EM-Qualifikationsspiel am 12. Juni gegen Italien in Split fand bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Europäische Fußballunion (UEFA) hatte die Kroaten wegen rassistischer Übergriffe ihrer Fans im Spiel gegen Norwegen bestraft. Bei dem "Geisterspiel" in Split war dann ein auf dem Rasen eingebranntes Hakenkreuz zu sehen.