Laut Suchtmittel-Jahresbericht 2009 des BKA steht in der Häufigkeit der Anzeigen nach Nationalitäten in Österreich (Kapitel Fremde) zwar Nigeria an erster Stelle. Aber Bohés Aussage, "dass in Wien der Drogenhandel mit Heroin und Kokain im Straßenverkauf fast ausschließlich von Schwarzafrikanern ausgeübt wird", kann nicht daraus gelesen werden. BKA-Sprecherin Sylvia Strasser erklärt auf Anfrage der "Wiener Zeitung", es gäbe dazu "keine konkreten Zahlen". Im BKA-Bericht ist durchgängig von einer "Steigerung schwarzafrikanischer Tätergruppen betreffend Suchtmittelkriminalität" die Rede, allerdings müsse man laut Strasser mehrere Faktoren unterscheiden, wie das Bundesland und die Art der Drogen.

Ein interessantes "Gegenstück" liefert in diesem Zusammenhang eine Untersuchung des IRKS, die sich mit der Begründung für die "Überrepräsentation von Ausländern in Kriminalstatistiken" beschäftigt und banale Gründe dafür anführt. Zum Beispiel: "Die Bevölkerungsstatistik erfasst nur im Lande wohnhafte Ausländer, die Kriminalstatistiken beschränken sich hingegen nicht darauf." Eine weitere Verzerrung der Statistik entstehe daraus, dass es keine Zahlen zu Freisprüchen gibt.

Für Tzanetakis ergibt sich eine ebenfalls ganz auf der Hand liegende Problematik: "Schwarze Personen fallen schon allein durch ihre Hautfarbe auf und werden häufiger auf Verdacht hin kontrolliert. Würde man die Kontrollen ausgewogen durchführen, wären auch mehr ‚Weiße‘ unter den Dealern." Auch Rechtsanwältin Alexia Stuefer, auf die sich Harald Bohé merkwürdigerweise bezieht, hat im Jahr 2004 in einer Publikation für das Iuridicum mit dem Titel "‘Gewerbsmäßigkeit‘ und U-Haft bei Schwarzafrikanern" abgehandelt. Anders als er kritisierte sie allerdings darin die "Stigmatisierung, der die Personen bei ihrem Zusammentreffen mit der Justiz ausgesetzt sind", und tut dies auch heute noch – zehn Jahre nach der Publikation, wie sie auf Anfrage der "Wiener Zeitung" betont.

Zu einer Einschätzung von Ethnic Profiling war Harald Bohé nicht zu bewegen, da diese Methoden in die Zuständigkeit der Exekutive fielen. Schließlich schlug der Jurist den Besuch einer Gerichtsverhandlung in einem Suchtmittelprozess vor: "Dann würden Sie sehen, welche Leute da auf der Anklagebank sitzen."