Wiener Neustadt. Im Prozess gegen acht Angeklagte und ehemalige Refugee-Aktivisten wegen Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung stand am Mittwoch der Soko-Beamte Rudolf Kranz zum zweiten Mal im Zeugenstand. Er hat einen der beiden Abschlussberichte im Fall verfasst, auf denen die Anklage beruht, und wurde zu Details der von ihm geleiteten Telefonüberwachungen befragt.

Rechtsanwalt und Verteidiger Josef Philip Bischof ging auf die Ausführungen des Zeugen ein: "Dass es sich in den Aufnahmen um die Stimmen der Angeklagten handelte, das sind Ihre Vermutungen und Wahrnehmungen. Sie haben keinerlei Fakten, die dies belegen?" Kranz: "Das stimmt." Ein weiteres Thema war erneut die Freilassung eines gewissen "Schlepperbosses" Bobby Shah im vergangenen Sommer, der mehrfach in den Ermittlungen erwähnt worden war. Ein angeblich nicht auffindbarer Hauptschlepper, für den die Angeklagten gearbeitet haben sollen. Auf diese Panne gab es auch weiterhin keine konkrete Antwort.

Der Bezirksinspektor begründete es mit dem schlechten Gesundheitszustand der Person und "weil wir an die Hintermänner gelangen wollten". Kranz verwickelte sich allerdings in widersprüchliche Aussagen und musste eingestehen, dass sich diverse Fakten der Ermittlungen in den Abschlussberichten überschneiden: "Bei Schleppereien wird es immer Unschärfen geben", fasste er knapp zusammen.

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sagte Verteidiger Clemens Lahner: "Die Staatsanwältin hat eigentlich eine sehr undankbare Aufgabe, weil in den Abschlussberichten so viel Schmarrn steht. Wobei man nicht der Polizei die ganze Schuld geben darf, denn die Abschlussberichte sind derart komplex, dass es häufig zu Ungereimtheiten kommt."

Ein Beschuldigter beklagte sich indes während seiner Befragung, weshalb Shah, der Illegale in der Wohnung hatte, nicht verhaftet wurde, sie dafür erst in U-Haft und jetzt vor Gericht säßen. "Wir sind nach Österreich gekommen, um uns ein Leben aufzubauen, nicht um es zu zerstören."

Am Donnerstag muss der Chef der Soko Schlepperei Süd in den Zeugenstand treten.