Blüht dramatisch auf: Lianna Haroutounian. - © Pöhn/Staatsoper
Blüht dramatisch auf: Lianna Haroutounian. - © Pöhn/Staatsoper

Wäre diese Inszenierung eine Person, sie dürfte bald in Pension gehen: Die Bühnenbilder von Tsugouharu Foujita leisten seit mittlerweile 61 Jahren rüstige Dienste an Puccinis "Madama Butterfly" an der Staatsoper. Foujita, der japanisch-französische Maler, ist 1968 verblichen, ebenso der einstige Regie-Partner Josef Gielen. Nur ihre Bühne ragt als Relikt aus dieser fernen Vergangenheit: einer Ära, da man das Fernweh noch
naiv-verschwenderisch bebilderte und es den allgemeinen Zuspruch fand, wenn die Ehetragödie des Giacomo Puccini in einem begehbaren Riesen-Holzschnitt ertönte. Zwar besitzt dieses Konvolut aus Kirschbaum-Ästen, Kimonos und Papierwänden noch heute einen gewissen Charme. In einer Zeit, da der ferne Osten vom Sehnsuchtsort zur realen Urlaubsdestination avanciert ist, wirkt diese Szenerie aber auch ziemlich hölzern - und pensionsreif.

Am Dienstag prangte sie zum 383. Mal auf der Bühne und leistete einem Hausneuling Gesellschaft, nämlich Lianna Haroutounian als gebeutelter Titelfigur. Mag sein: Die Armenierin besitzt zu wenige Glanztöne für das japanische Fräuleinwunder, sie blüht aber zu dramatischer Größe auf, wenn Cio-Cio-San als verlassene Ehefrau vor die Hunde geht. Teodor Ilincai verkörpert den amerikanischen Hallodri-Gatten Pinkerton mit einer Klangkraft, die über einen ganz Ozean schallen könnte - imposant, doch mitunter auch plakativ. Insgesamt ein Abend, so solide und routiniert wie das Bühnenbild, zuletzt mit Beifall auch für Elena Maximova (Suzuki), Gabriel Bermúdez (Sharpless) und das zweckdienliche Dirigat von Jonathan Darlington.