• vom 08.11.2018, 16:33 Uhr

Bühne

Update: 08.11.2018, 16:59 Uhr

Theaterkritik

So sind sie, die Mädels und Jungs




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Von Theresa Luise Gindlstrasser

  • Im Vestibül findet Dennis Kelly Erklärungen für den neuen Maskulinismus.

Alexandra Henkel im tapferen Kampf gegen die Klischees des Textes.

Alexandra Henkel im tapferen Kampf gegen die Klischees des Textes.© Reinhard Werner/Burgtheater Alexandra Henkel im tapferen Kampf gegen die Klischees des Textes.© Reinhard Werner/Burgtheater

Ab März 2019 zeigt das Burgtheater "Waisen" von Dennis Kelly. 2009 in Edinburgh uraufgeführt, ist der Text ein Hansdampf in allen Theatern. Schnelle Dialoge, sozialrealistisches Setting. Kellys neuestes Stück heißt "Girls & Boys". Premiere war am Mittwoch, und zwar auch an der Burg. Für das Vestibül hat Dietmar König die österreichische Erstaufführung eingerichtet. Der Burgschauspieler verlässt sich dabei auf Alexandra Henkel, die den Monolog innerhalb von 75 Minuten fertig aufgesagt hat. Die Inszenierung existiert nicht, der Text nervt.

Eine namenlose Frau erzählt von ihrer "Saufen-Drogen-Ficken-Phase" und wie sie dann beim Warten auf einen Billigflieger ihren zukünftigen Ehemann kennenlernt. Der ist ihr zwar "auf Anhieb unsympathisch", aber "der Sex war unfassbar". Dann also heiraten und zwei Kinder kriegen. Diese Kinder sind zwar nirgendwo zu sehen oder hören, aber ausgedehnte Szenen suggerieren eine wegen Work-Kids-No-Life-Balance aggressiv gestresste Mutter im Zwiegespräch: "Oh nein, nein, Benni, Benni, Benni, was machst du denn? Du sollst es essen, nicht dich damit vollschmieren, jetzt muss ich das alles... Das ist nicht lustig."

Information

Theater
Girls & Boys
Von Dennis Kelly
Dietmar König (Einrichtung)
Burgtheater / Vestibül

Die langwierige Frauen-Biografie kommt von einem unterkomplexen Klischee zur nächsten verkürzten Debatte. Männer werden zu "auf Anhieb unsympathisch"-Arschlöchern stilisiert und Frauen zu vitalen, vulgären Karrieristinnen. Berufstätigen Frauen - wo soll das nur hinführen? Mann tötet Kinder wegen Eifersucht. Innerhalb der letzten 15 Minuten bekommt Henkel Kriegsbemalung und das Publikum ein paar halbherzig antimaskuline Parolen vor den Latz.





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Dokument erstellt am 2018-11-08 16:43:11
Letzte Änderung am 2018-11-08 16:59:14


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