• vom 08.11.2018, 16:53 Uhr

Bühne

Update: 08.11.2018, 17:15 Uhr

Interview Manuel Legrs und Luisa Spinatelli

Die Götter leben!




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Von Verena Franke

  • Manuel Legris inszeniert seine Ballettpremiere "Sylvia" als Hommage an die griechische Mythologie.

Kostümfigurinen der männlichen Hauptrollen in "Sylvia".

Kostümfigurinen der männlichen Hauptrollen in "Sylvia".© Luisa Spinatelli Kostümfigurinen der männlichen Hauptrollen in "Sylvia".© Luisa Spinatelli

Göttin Diana und Gott Eros, Orion, Nymphen - darunter Sylvia - Faune sowie ein großes Bacchus-Fest. Und natürlich geht es bei ihnen um die Liebe. Der im Tanz schon fast in Vergessenheit geratenen griechischen Mythologie haucht Manuel Legris wieder Leben ein: Der Chef des Wiener Staatsballetts bringt am Samstag seine Version des opulenten Balletts "Sylvia" auf die Bühne der Staatsoper, die ja schon in der Vergangenheit mit Opern wie Richard Strauss’ "Daphne" ihre Liebe zur Mythologie mehrmals unter Beweis gestellt hat. ",Sylvia‘ ist ein großes heroisches Handlungsballett. Wirklich groß. Und die Tänzer scheinen richtig glücklich, eine Premiere zu tanzen, die der klassischen Tradition folgt", so Legris im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Sylvia" vom französischen Komponisten Léo Delibes wurde in der Choreografie von Louis Mérante am 14. Juni 1876 in Paris uraufgeführt und zählt auch aufgrund der Partitur zu den herausragenden Balletten des 19. Jahrhunderts. "Im Jahr 2018 ist es natürlich gewagt, in diese mythologische Welt einzutauchen, aber ich habe das Gefühl, dass sie dennoch frisch und voller Emotionen ist", so der Choreograf. Für Legris ist wichtig, dass diese aufwendigen Werke nicht von den Spielplänen verschwinden: Es sei die Aufgabe von Kompagnien wie der seinen, die dank ihrer Größe die Möglichkeiten haben, solche opulenten Werke zu inszenieren. "Und meine Tänzer haben hier viele Möglichkeiten, sich zu präsentieren - es ist für sie", sagt der Ballettchef.

Information

"Sylvia" von Manuel Legris nach Louis Mérante u. a., Musik: Léo Delibes, Bühnenbild und Kostüme: Luisa Spinatelli, Dirigent: Kevin Rhodes. Premiere: 10. November, 19 Uhr in der Staatsoper mit dem Wiener Staatsballett.

Wh.: 12., 13., 17., 24., 28. Nov.
Manuel Legris.

Manuel Legris.© apa/Fohringer Manuel Legris.© apa/Fohringer

Jugenderinnerungen

"Sylvia" ist nach "Le Corsaire" Legris’ zweites abendfüllendes Stück für das Wiener Staatsballett. Aber warum wählt man gerade einen - Pardon - kaum gespielten, alten Schinken? "Von ,Sylvia‘ gibt es wenige Versionen, es wird heute kaum gezeigt", erklärt Legris, er sieht darin aber auch einen Vorteil. "Und für mich hat es auch eine besondere Bedeutung: Ich war kurz vor dem Abschluss der Schule der Pariser Oper, und ich sah unsere Version, die mich dermaßen beeindruckte aufgrund ihrer imposanten Inszenierung dieser fantastischen Welt. Ich habe diese Bilder nie vergessen." Obwohl Legris auch andere Versionen wie jene von John Neumeier getanzt hat. "Ich entschied mich für ,Sylvia‘ aus folgenden Gründen: Zum einen beeinflusste mich meine Erinnerung an die Version meiner Jugend, zum anderen liebe ich die extrem ausdrucksstarke Musik, die an Walküren von Wagner erinnert. Sie ist so evokativ." Nicht nur Legris zeigte sich übrigens von Delibes Partitur begeistert, sondern auch der "Konkurrent" des Komponisten: Peter I. Tschaikowski, der seinerzeit gerade den "Schwanensee" beendet hatte, schrieb in einem Brief an seine Mäzenin Nadezhda von Meck: "Ohne jegliche falsche Bescheidenheit sage ich Ihnen, dass mein ,Schwanensee‘ der ,Sylvia‘ nicht das Wasser reichen kann." Ein großes Kompliment.

Luisa Spinatelli.

Luisa Spinatelli.© Staatsballett/Taylor Luisa Spinatelli.© Staatsballett/Taylor

Die Seele der Figur

Im Gegensatz zur "Daphne"-Opern-Inszenierung wird in "Sylvia" kostüm- und szenentechnisch auf Klassik gesetzt. "Luisa Spinatelli und ich ziehen an einem Strang", beschreibt Legris die bereits dritte Zusammenarbeit mit der italienischen Bühnen- und Kostümbildnerin. "Sie hat den Stil voll erfasst, und obwohl es um Mythologie geht, übertreibt sie nicht, arbeitet an raffinierten Details, und das ist bei Ballettkostümen und Szenerie kein einfaches Unterfangen."

Worin liegt eigentlich der Unterschied von Ballettkostümen zu üblichen Kostümen? "Im Handlungsballett muss das Kostüm erzählen und die Seele der Figur offenbaren", sagt Luisa Spinatelli im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Außerdem muss eine gewisse Leichtigkeit für die Bewegungsfreiheit der Tänzer gegeben sein. Dafür müssen einige Regeln befolgt werden wie die Berechnungen der geometrischen Vorgaben des Kostüms in Bezug zu den Proportionen der Trägerin, die Gewichte der Stoffe, und wie man diese Stoffe näht. "Der unterste Stoff im Rock darf nicht zu leicht sein, damit er sich nicht zwischen die Beine zieht. Der oberste soll hingegen ganz schwerelos wirken. Das ist eine Arbeit für Profis", so die Kostümbildnerin. "Das Mieder darf die Transpiration, die Atmung und die Bewegung nicht behindern. Oft muss ein Kostüm opulent wirken, es darf gleichzeitig aber auch kaum Gewicht haben."

Zwei Jahre arbeitet sie nun schon an der Umsetzung, ihr Arbeitsmotto "Dokumentation, Interpretation, Ausführung" begleitet die renommierte Künstlerin natürlich auch bei "Sylvia". "Inspiriert haben mich zu diesem Projekt die Fresken in Pompeji, Details findet man auf den Kostümen, und sie spiegeln sich dann im Bühnenbild wider. Auch beim Besuch der Albertina habe ich einiges gefunden so etwa die Sphingen, die ich dann noch mit einem Halbmond veränderte", so Spinatelli, sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis. Dem schließt sich Legris an: "Oft hört man, dass nach einem ersten erfolgreichen Ballett das zweite dann so lala wird. Aber ich habe absolut das gegenteilige Gefühl."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-08 17:04:22
Letzte Änderung am 2018-11-08 17:15:14


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