• vom 09.11.2018, 16:56 Uhr

Bühne

Update: 09.11.2018, 17:25 Uhr

Theaterkritik

Eheschlacht mit Farbtopf




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Petra Paterno

  • Tomas Schweigen inszeniert Martin Crimp als Aktionismus-Farce.

Wenn man nicht weiter weiß: Farbe über den Kopf. - © S. Einzenberger

Wenn man nicht weiter weiß: Farbe über den Kopf. © S. Einzenberger

"Also: Welchen Grund gab es, ein Kind zu kriegen?", so schroff fängt Martin Crimps jüngstes Stück "Schlafende Männer" an. Vera von Gunten rotzt den Satz in ein Mikrofon und nimmt in größtmöglicher Entfernung von ihrem Mann (Sebastian Schindegger) Platz. Die Bühne des Schauspielhauses sieht aus wie ein heruntergekommenes Atelier, mit verschmierten Fenstern und Bierkisten als Sitzgelegenheit. In dieser Bohémien-Höhle lebt nun das wohlhabende, kinderlose Akademikerpaar, das unerwartet von einem jungen Paar besucht wird - Alina Schaller und Anton Widauer.

Mit diesem Setting nimmt der britische Erfolgsautor an Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" Maß. Doch das Remake weicht stark von der Vorlage ab: Die Beziehung des arrivierten Paares ist dermaßen langweilig, dass sich selbst eine Scheidung nicht lohnen würde, einzig die Karriere übertüncht notdürftig die Leere, auch gibt es keine Konflikte, die aufbrechen könnten, vielmehr ist jeder Satz ein Angriff.

Information

Theater

Schlafende Männer

Von Martin Crimps

Schauspielhaus

Bis 15. Dezember

Tomas Schweigen, Schauspielhaus-Intendant und Regisseur des Abends, müht sich redlich mit der Vorlage ab. Er inszeniert das enigmatische Kammerspiel als launiges Aktionismus-Spektakel. Der Text bezieht sich auch auf Kunstaktionen von Rudolf Schwarzkogler und Otto Mühl. Wenn die Akteure nicht mehr weiterwissen, schütten sie einander Farbe über den Kopf, werfen mit Tomaten um sich. Damit setzt der 80-minütige Abend auf die grotesken Momente des Stücks, bleibt aber Antworten auf die eigentliche Frage schuldig: Was wollen diese Figuren überhaupt noch voneinander?





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-09 17:07:16
Letzte Änderung am 2018-11-09 17:25:43


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Sex mit Zeus
  2. Was ist "das Leitkultur"?
  3. Europäische Serien dominierten Emmy Awards
  4. Versprochene Paradiese und tatsächliche Höllenfahrten
  5. Red-Bull-Media expandiert
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  3. Presserat rügt "Wochenblick"
  4. Ars Electronica bringt "Error" von Linz nach Berlin
  5. Venus, Warhol oder Papagei

Werbung



Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung