- © Andreas Lepsi
© Andreas Lepsi

Wie wäre das, als Kind vertauscht worden zu sein? Und dann, nach 60 Jahren, erfährt man erst davon. Was könnte man tun, solange man noch man selbst ist und nicht jemand anderer? Eine Bank überfallen? Eine Nacht mit einer Geisha verbringen? Und wer mag wohl das Gegenüber sein, das schon bald das eigene Ich ersetzen wird? Der vulgäre Kopf eines Golf-GTI-Clubs, eine Person des anderen Geschlechts, womöglich eine Tunte?

Popcorn im Krematorium

Schon die Fragen, die Herbert Steinböck in "Ätsch" aufwirft, sorgen für Schmunzeln. Im Programm zu seinem 60. Geburtstag setzt er ganz klar auf wachsende Spannung. Zu Beginn ziehen die Pointen brav, aber halblustig bis zur Pause dahin. Die zweite Hälfte beginnt unterhaltsamer; mit einem Sammelsurium alter Kalauer. Die bekannten sind witzig, die unbekannten meist lustig. Doch danach startet Steinböck erbarmungslos durch. Ein zotiger Angriff auf die Lachmuskeln jagt den nächsten. Die Bauchübungen im Fitnessstudio am nächsten Tag werden obsolet.

Daneben gibt es im Programm noch Platz, die gegenderte Sprache aufs Korn zu nehmen. Gewürzt ist das Ganze mit außergewöhnlichen Überlegungen, etwa, ob es für Krematorium-Angestellte ein poppendes Erlebnis wird, wenn sich der Verblichene kurz vorher mit Maiskörnern vollgestopft hat. Ebenfalls erfrischend: Steinböck verzichtet in "Ätsch" auf politische Anzüglichkeiten.

Die Ich-bin-was-ich-bin-Moral, die hinter dem vergnüglichen Abend steht, ist nicht unbedingt ein bahnbrechender Heuler. Aber hinter den Pointen steckt ein profunderes Thema. Wer wacker den stotternden Start überstanden hat, wird mit einer flotten Fahrt durch einen lustigen Abend belohnt.

Kabarett

Herbert Steinböck: Ätsch

Wh.: 21. November Marchtrenk,

26./28./29. Nov. Casanova (Wien),

10. Jänner Stadtsaal (Wien),

20. Jänner Orpheum (Wien)