• vom 12.11.2018, 16:07 Uhr

Bühne

Update: 12.11.2018, 16:24 Uhr

Ballettkritik

Höhenflüge




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Verena Franke

  • Manuel Legris gelingt mit seiner "Sylvia" ein traditionelles Ballett-Highlight.

Ebenbürtige Partner: Nikisha Fogo und Denys Cherevychko. - © Wr. Staatsballett /A. Taylor

Ebenbürtige Partner: Nikisha Fogo und Denys Cherevychko. © Wr. Staatsballett /A. Taylor

Viel gewagt - alles gewonnen: 20 Minuten dauerte am Samstag der Schlussapplaus, Standing Ovations inklusive, nach der Uraufführung des abendfüllenden Balletts "Sylvia" von Manuel Legris. Ein Avancement zur Ersten Solistin hatte der Ballett-Triumph obendrein zur Folge.

Dabei beinhaltete die Wahl des Stücks für Legris’ erst zweite abendfüllende Choreografie ein gewisses Risiko. "Sylvia" nämlich forderte schon einige Choreografen ob der ziemlich sperrigen und langweiligen Geschichte. Doch immer wieder versöhnte die Partitur von Léo Delibes - sofern auch die künstlerische Qualität der Tänzer untadelig bestehen konnte. Versuche seit der Uraufführung 1876 gab es viele, doch fast alle scheiterten zumeist an der verstaubten Geschichte Torquato Tassos und schafften es nicht auf Dauer ins Repertoire. Dem Chef des Wiener Staatsballetts, Manuel Legris, gelingt es nun, Plot, Partitur und Ensemble stimmig zu vereinen. Dafür strafft er die mythologische Geschichte, erweitert die Rolle der Göttin Diana, die letztlich der Liebe des Hirten Aminta und ihrer Nymphe Sylvia mit Zuwirken des Gottes Eros zustimmt. Kostüm- und Bühnenbildnerin Luisa Spinatelli kleidet die Tänzer in fließende Pastellfarben mit Liebe zum Detail und ist dem göttlichen Gold nicht abgeneigt - die Geschmacksgrenze zum Kitsch touchiert sie gerade einmal nicht.

Information

Ballett

Sylvia

Manuel Legris (Choreografie)

Léo Delibes (Musik)

Kevin Rhodes (Dirigat)

Wiener Staatsballett

Wh.: 13., 17., 24. und 28. November, 17., 19., 24. und 26. Jänner

Technische Gleichberechtigung

Das trifft auch für das Orchester zu: Kevin Rhodes führt mit ansteckender Spielfreude äußerst abgestimmt auf die Solisten, die eingängige, manchmal an Johann-Strauß-Klänge erinnernde Musik spiegelt Legris in seiner Choreografie. Schnelle Beintechnik, heute eher selten gesehene große Hebefiguren und viele Sprungkombinationen dominieren die Soli - egal ob Tänzerin oder Tänzer: Die Gleichberechtigung ringt hier allen viel ab. Zu Beginn herrscht deshalb etwas Hektik: Faune wuseln über die Bühne und schrecken allerlei Nymphen. Im weiteren Verlauf des Abends kehrt auch in den Ensembleszenen Gelassenheit ein, die letztlich mit außergewöhnlicher Synchronität überzeugen.

Legris weiß inszenatorisch und choreografisch nach klassischer Tradition zu steigern, Langeweile lässt er nicht aufkommen. Seinen Solisten hat er die Rollen auf ihre technischen Stärken hin kreiert, oder vielleicht für diese Choreografie die besten Besetzungen gefunden. Allen voran Nikisha Fogo in der Titelrolle: Grazil und doch kraftvoll, mit Temperament, aber auch konzentriert ruhig in Balancen tanzt sie eine selbstsichere Sylvia - und avanciert damit zur Ersten Solistin. Für den Hirten Denys Cherevychko eine mehr als ebenbürtige Partnerin in Bezug auf die Qualität seiner klassischen Technik in Sprungkraft und Pirouetten.

Davide Dato als Entführer Orion sowie Mihail Sosnovschi als göttlicher Kuppler Eros und Ketevan Papava in der Rolle der forschen, aber verletzlichen Diana runden mit ihrer virtuosen Darstellung Legris’ Inszenierung ab, die schon jetzt als einer der Höhepunkte seiner bis 2020 dauernden Amtszeit gewertet werden kann.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-12 16:19:17
Letzte Änderung am 2018-11-12 16:24:06


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Netflix kann auch Kino-Magie
  2. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  3. Die 30er sind zurück
  4. Philharmoniker glänzten mit Kirill Petrenko
  5. Kurz ist gut
Meistkommentiert
  1. Gefährliche Predigten
  2. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  3. "Kurz bringt die Rechtsextremen in den Mainstream"
  4. "Die Weißwurst muss dir freundlich gesinnt sein"
  5. Karger "Don Carlos" in der Kammeroper

Werbung



Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker.

Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk. Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung