Wien. Die Nestroy-Gala findet heute, Samstag, im Theater an der Wien statt - und bereits jetzt stehen einige der renommierten Theater-Preise fest: Peter Handke wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Bestes Stück ist "jedermann (stirbt)" von Ferdinand Schmalz, die beste Ausstattung der Saison lieferte Alice Babidge für "Hotel Strindberg" im Akademietheater.

"Dass Peter Handke heuer mit dem Nestroy für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird: Das ist nichts weniger als eine selbstverständliche Würdigung eines Dichters, der auch das Theater der letzten 50 Jahre entscheidend bereichert hat", begrüßte Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler in einer Aussendung die Entscheidung der Jury. "In der Geschichte heimischer, deutschsprachiger und internationaler Bühnen ist sein Werk von einzigartiger, weil einzelgängerischer Eindringlichkeit."

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wächst die Spannung

Über "jedermann (stirbt)" schrieb "Wiener Zeitung"-Kritikerin Petra Paterno: "Ferdinand Schmalz polierte den Jedermann-Stoff grandios auf", nennt den Text "sprachspielerisch überzeugend" und den Autor einen der "bemerkenswertesten Dramatiker seiner Generation". Das Stück überzeugt mit bildkräftiger, oft durchrhythmisierter Sprache und ist im Versuch eines modernen Mysterienspiels und gleichzeitig der Infragestellung von Mysterien einer der komplexesten und zugleich auch stärksten Theatertexte der letzten Jahre.

Über die Ausstattung von "Hotel Strindberg", einem Theaterprojekt des Regisseurs Simon Stone, urteilte Petra Paterno: "Ausstatterin Alice Babidge verwandelt den Raum in ein wunderlich drittklassiges Hotel: Im ersten und zweiten Akt füllen die Bühne raumfüllende drei Stockwerke, insgesamt sechs Zimmer, ein Stiegenhaus. Die identen Hotelräume werden simultan bespielt. Im dritten Akt verwandelt sich die Installation in einen dürftigen Frühstücksraum, leere Zimmerfluchten, tristes Foyer."

Welche Theaterkünstler weiters mit einem Nestroy ausgezeichnet wird, das wird sich im Lauf der Gala erweisen. Nominiert sind:

Beste Schauspielerin: Anja Herden, Sandra Hüller, Caroline Peters, Aenne Schwarz und Valery Tscheplanowa.

Bester Schauspieler: Herbert Föttinger, Jens Harzer, Michael Maertens, Peter Simonischek und Martin Wuttke.

Beste Nebenrolle: Dörte Lyssewski, Falk Rockstroh, Alexander Strobele, Yousif Ahmad und Martin Vischer.

Beste Regie: Thomas Köck und Elsa-Sophie Jach mit "Die Zukunft reicht uns nicht (klagt, Kinder klagt!)" im Schauspielhaus Wien; Dušan David Pařizek mit "Vor Sonnenaufgang" im Akademietheater und Simon Stone mit seinem "Hotel Strindberg" (ebenfalls im Akademietheater).

Beste Bundesländer-Aufführung: Schauspielhaus Graz ("Böhm" von Paulus Hochgatterer, Inszenierung Nikolaus Habjan); Stadttheater Klagenfurt ("Iwanow" in der Regie von Mateja Koleznik); Schauspielhaus Salzburg ("Srebrenica" nach Hasan Nuhanović, Inszenierung und Theaterfassung: Peter Arp).

Beste Aufführung im deutschsprachigen Raum:Karin Henkels "Beute Frauen Krieg" (Zürich); Ersan Mondtags "Das Inter-
nat" (Dortmund); Ulrich Rasches "Die Perser" (Salzburger Festspiele).

Nestroy-ORF-III-Publikumspreis: Stefanie Dvorak, Sarah Viktoria Frick, Maria Köstlinger, Petra Morzé, Sophie Rois, Nikolaus Habjan, Markus Hering, Philipp Hochmair, Tobias Moretti und Bernhard Schir.

ORF III überträgt die Gala,
bei der Maria Happel, Viktor Gernot und Peter Fässlacher nach einem Skript von Nicolaus Hagg durch den Abend führen, heute, Samstag, live-zeitversetzt ab 20.15 Uhr.