• vom 18.11.2018, 10:50 Uhr

Bühne

Update: 18.11.2018, 10:57 Uhr

Auszeichnungen

Die Nestroy-Preise wurden verliehen




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Von WZ Online, APA

  • Caroline Peters ist beste Schauspielerin und Peter Simonischek wurde als bester Schauspieler geehrt.

Die Preisträger bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. - © APAweb, Georg Hochmuth

Die Preisträger bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. © APAweb, Georg Hochmuth

Wien. Im Theater an der Wien wurden zum 19. Mal die Nestroy-Preise verliehen, bei dem die besten Leistungen der vergangenen Theatersaison in Österreich sowie die beste Aufführung im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet wurden. Durch den Abend führten Maria Happel, Viktor Gernot und Peter Fässlacher. Für das Buch zeichnet Nicolaus Hagg verantwortlich.

Den ersten Preis des im Bühnenbild der Barockoper "Teseo" mit Live-Bühnenorchester stattfindenden Galaabends durfte Caroline Peters entgegennehmen. Das deutsche Burgtheater-Ensemblemitglied erhielt den Nestroy als Beste Schauspielerin für ihre Rollen in Simon Stones "Hotel Strindberg", für die sie bereits in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift "Theater heute" zur "Schauspielerin des Jahres" gewählt worden war. Derzeit ist sie auch in Sönke Wortmanns Komödie "Der Vorname" im Kino zu sehen.

Information

Alle Preisträger im Überblick

LEBENSWERK: Peter Handke
BESTES STÜCK - AUTORENPREIS: Ferdinand Schmalz für "jedermann
(stirbt)", Burgtheater
BESTE AUSSTATTUNG: Alice Babidge für "Hotel
Strindberg" von Simon Stone nach
August Strindberg, Akademietheater
in Koproduktion mit dem Theater
Basel
BESTE SCHAUSPIELERIN: Caroline Peters in "Hotel
Strindberg" von Simon Stone nach
August Strindberg, Akademietheater
in Koproduktion mit dem Theater
Basel
BESTER SCHAUSPIELER: Peter Simonischek als Afzal in
"The Who and the What" von Ayad
Akhtar, Akademietheater
BESTE DARSTELLUNG EINER Dörte Lyssewski als Annemarie
NEBENROLLE: Krause in "Vor Sonnenaufgang" von
Ewald Palmetshofer nach Gerhart
Hauptmann, Akademietheater
BESTE REGIE: Dusan David Parizek mit "Vor
Sonnenaufgang" von Ewald
Palmetshofer nach Gerhart
Hauptmann, Akademietheater
BESTER NACHWUCHS WEIBLICH: Lara Sienczak als Sophie Scholl in
"Die Weiße Rose" von Petra
Wüllenweber, Theater der Jugend
BESTER NACHWUCHS MÄNNLICH: Peter Fasching in "Die Zehn
Gebote" nach den Filmen von
Krzysztof Kieslowski,
Bühnenbearbeitung von Stephan
Kimmig und Roland Koberg,
Volkstheater
SPEZIALPREIS: "Die Kinder der Toten" von
Elfriede Jelinek, Regie Nature
Theater of Oklahoma (Kelly Copper
& Pavol Liska), steirischer herbst
2017
BESTE OFF-PRODUKTION: "Muttersprache Mameloschn" von
Sasha Marianna Salzmann,
Inszenierung Sara Ostertag,
Makemake Produktionen, in
Koproduktion mit dem KosmosTheater
BESTE BUNDESLÄNDER-AUFFÜHRUNG: "Iwanow" von Anton Tschechow,
Inszenierung Mateja Koleznik,
Stadttheater Klagenfurt in
Koproduktion mit den Vereinigten
Bühnen Bozen
BESTE AUFFÜHRUNG IM "Die Perser" von Aischylos,
DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM: wiedergegeben von Durs Grünbein,
Inszenierung Ulrich Rasche,
Salzburger Festspiele in
Koproduktion mit dem Schauspiel
Frankfurt
PUBLIKUMSPREIS: Nikolaus Habjan

Die mit dem Ausstattungs-Nestroy ausgezeichnete Australierin Alice Babidge hatte die Bühne des Akademietheaters in das "Hotel Strindberg" verwandelt, ein dreistöckiges Puppenhaus, bei dem man pro Etage jeweils zwei Zimmer zu sehen bekommt, plus ein nüchternes Stiegenhaus an der rechten Seite. In den zwei Pausen fährt die aufgerissene Hotelfront scheinbar einmal ein Stockwerk höher, einmal eines tiefer. So bekommt man im Schlussakt auch Frühstücksraum und Rezeption zu Gesicht. Die vierte Wand zum Zuschauer existiert als Glaswand. Babidge bedankte sich bei Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann für ihr Vertrauen und bei Regisseur Simon Stone für die Zusammenarbeit: "You are a genius!"

Der Nestroy für die beste Nebenrolle ging an die deutsche Schauspielerin Dörte Lyssewski, seit 2009/2010 Ensemblemitglied am Burgtheater. Sie wurde für ihre Darstellung der Annemarie Krause in der Akademietheater-Produktion "Vor Sonnenaufgang" von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann ausgezeichnet und bedankte sich vor allem bei Autor Palmetshofer und dem Regisseur Parizek.

Peter Simonischek als bester Schauspieler geehrt 

Peter Simonischek, beim Nestroy-Preis bereits mehrfach nominiert und auch mehrmals als Moderator im Einsatz, konnte seine erste Trophäe nicht persönlich entgegennehmen, da er infolge einer kurzfristigen Vorstellungsänderung an diesem Abend doch auf der Bühne stehen musste. An seiner Stelle nahm sein Sohn Benedikt den Preis entgegen und verlas Dankesworte des Vaters.

Simonischek, seit seiner Hauptrolle in "Toni Erdmann" auch im Filmgeschäft gefragt, wurde für seinen liebenswerten Patriarchen Afzal in der Akademietheater-Aufführung "The Who and the What" von Ayad Akhtar als bester Schauspieler geehrt.

Ein Double landete der deutsche Regisseur Ulrich Rasche. Als beste deutschsprachige Aufführung wurde seine spektakuläre Inszenierung von "Die Perser" des Aischylos ausgezeichnet. Das sich auf zwei rotierenden Scheibe wuchtig entfaltende Anti-Kriegs-Drama hatte bei den Salzburger Festspielen Premiere und übersiedelte anschließend an das Schauspiel Frankfurt. Bereits im Vorjahr war seine Münchner "Die Räuber"-Inszenierung in dieser Kategorie gewürdigt worden.

2015 war Dusan David Parizeks Akademietheater-Uraufführung "Die lächerliche Finsternis" von Wolfram Lotz zur besten deutschsprachige Aufführung gekürt worden. Heute konnte der tschechische Regisseur den Nestroy-Preis für die beste Regie entgegennehmen. Gewürdigt wurde seine Inszenierung von "Vor Sonnenaufgang" von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann im Akademietheater.

Den Nestroy für sein Lebenswerk nahm Peter Handke aus den Händen von Klaus Maria Brandauer entgegen, der seine Laudatio mit Handkes "Satzbiografie" begann und so schloss: "Du bist ein Unvergleichlicher. Und manchmal sind Deine Texte einfach zu groß für das Theater. Aber von Dauer!" Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) stellte sich mit einer Laudatio ein. Handke, der am 6. Dezember seinen 76. Geburtstag feiert, war 2011 für sein Stück "Immer noch Sturm" bereits mit dem Nestroy-Autorenpreis ausgezeichnet worden. Der in Paris lebende österreichische Dichter wurde mit stehenden Ovationen gefeiert, hielt eine launige Rede und meinte: "Ich habe was zu geben. Das war immer meine Grundhaltung im Leben." Er plädierte für die Rückbesinnung des Theaters auf jene Dinge, die es auszeichne: Sprache, Konfrontation, Rhythmus.

Geehrt wurde auch die Kulturjournalistin Karin Kathrein (80). Sie legt nach 19 Jahren den Vorsitz der Nestroy-Jury zurück und erhielt zum Abschied einen Ehren-Nestroy-Preis sowie lang anhaltende Standing Ovations.

Klagenfurter "Iwanow" gewinnt Bundesländer-Sparte

Den im Rahmen der Nestroy-Gala vergebenen ORF III-Publikumspreis gewann der Regisseur, Schau- und Puppenspieler Nikolaus Habjan bereits zum zweiten Mal. Der erkrankte Preisträger musste sich bei der Übergabe der Auszeichnung durch seine Schwester vertreten lassen.

Zur besten Off-Produktion wurde Sara Ostertags Inszenierung des Stückes "Muttersprache Mameloschn" von Sasha Marianna Salzmann gekürt, in dem es um die unterschiedlichen Lebensentwürfe von drei Frauen aus drei Generationen geht. Das Kollektiv makemake produktionen brachte das Stück in Koproduktion mit dem Wiener Kosmos Theater heraus, dessen Gründerin und frühere Leiterin Barbara Klein mit dem völlig überraschten Team ebenso auf die Bühne stürmte wie die neue Leiterin Veronika Steinböck. Viel Applaus gab es für die jubelnden Preisträgerinnen und ihre Ansage: "Kunst muss frei bleiben!"

Den Spezialpreis gab es für das Theater/Filmprojekt "Die Kinder der Toten". Das Nature Theater of Oklahoma inszenierte beim steirischen herbst den Roman von Elfriede Jelinek als Super-8-verfilmtes Mitmach-Dorf-Event für Jung und Alt. Die Regisseurin Kelly Copper bedankte sich in charmantem Deutsch an der Seite ihres Regiepartners Pavol Liska u.a. bei Autorin Elfriede Jelinek und der Bevölkerung von Neuberg an der Mürz.

Die Nachwuchs-Nestroys gingen an Lara Sienczak vom Theater der Jugend (für ihre Darstellung der Sophie Scholl in "Die Weiße Rose" von Petra Wüllenweber) und an Peter Fasching vom Volkstheater Wien (für seine Rollen in "Die Zehn Gebote" nach den Filmen von Krzysztof Kieslowski). Fasching schloss seine Dankesworte mit einem kulturpolitischen Statement: "Im übrigen bin ich der Meinung, das Volkstheater muss ein Ensembletheater bleiben."

Autorenpreisträger Ferdinand Schmalz war nicht überrascht. Die Auszeichnung für sein am Burgtheater uraufgeführtes Stück "jedermann (stirbt)" war bereits festgestanden. Er hatte einen kurzen Text mitgebracht, den er geschrieben hatte, als zum Nationalfeiertag vor dem Burgtheater die Panzer aufgefahren waren, während im Haus sein Stück gespielt wurde. Es werde wieder an Festungen gebaut, vermeintlich zu unserer Sicherheit, "obwohl man meinen könnte, dass diejenigen, die heute unsere Sicherheit gefährden, in den Ministerien sitzen". Er schloss mit einem Verweis auf die wieder wöchentlich stattfindenden Protest-Demos: "Nächste Woche ist wieder Donnerstag!"

Die slowenische Regisseurin Mateja Koleznik wurde zwei Tage nach ihrer Schnitzler-Premiere am Theater in der Josefstadt für ihre Klagenfurter "Iwanow"-Inszenierung mit dem Nestroy für die beste Bundesländer-Aufführung ausgezeichnet, konnte den Preis allerdings nicht selbst entgegennehmen, da sie bereits an ihrem nächsten Projekt arbeitet. "Mateja ist eine Meisterin der Reduktion. Sie hat sich selbst so reduziert, dass sie heute nicht hier ist", sagte Schauspieler Markus Hering, der gemeinsam mit dem Intendanten des Stadttheaters Klagenfurt und der Intendantin der koproduzierenden Bühnen Bozen die Trophäe entgegennahm.

Bisherige Höhepunkte des Galaabend-Programmes waren eine Otto Schenk-Parodie von Viktor Gernot vor der Verleihung der Nachwuchs-Preise und der von sechs Schauspielerinnen gemeinsam gesungene Song "You don't own me" als Solidaritäts-Lied für jene, die im Zug der #metoo-Debatte, "den Mut hatten, aufzustehen", wie es Moderatorin Happel formulierte.





Schlagwörter

Auszeichnungen, Nestroy-Preis

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Dokument erstellt am 2018-11-18 10:55:23
Letzte Änderung am 2018-11-18 10:57:14


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