Beim "Kleinen Prinzen" scheiden sich die Geister. Die einen loben dieses Märchen für Erwachsene als tiefgründig und weise, während die anderen nicht mehr als ein mitleidiges Lächeln für Pseudoweisheiten ohne philosophischen Hinterbau aufbringen. Wo auch immer man sich in dieser Debatte einordnen mag: In der Inszenierung im Kabinetttheater ist das Stück sehenswert. Denn der "Kleine Prinz" fällt hier nach seinem Flugzeugabsturz wörtlich auf fruchtbaren Boden. Der diesmalige kreative Clou - man darf ja im Kabinetttheater immer auf neue Überraschungen gespannt sein - ist der, dass Birgit Kellner Live-Zeichnungen anfertigt, die durch Overhead an die Wand projiziert werden und dem Stück zu künstlerischer Darstellung verhelfen.

Ob das Flugzeug, das durch den Raum fliegt und abstürzt (zack! Großformat), eine Schlange, die sich durch den Sand gräbt, Figuren auf den Planeten, ob Landschaften aus Stoff-Schattenspielen - eine Darstellung ist origineller als die andere. Die einzige Gefahr scheint die zu sein, dass man sich mit den unendlichen Mitteln übernimmt und das Stück zu volllädt.

Doch auch hier finden sie die richtige Dosierung dank dem Erzähler (Wolfram Berger), der immer dann in Erscheinung tritt, wenn man Gefahr läuft, überfüttert zu werden. Die verschiedenen Gestaltungselemente - Musik (Christian Bakanic), Sprache, Puppen (Julia Reichert, Christian Schlechter) und Zeichnungen - greifen gekonnt ineinander und erschaffen eine magische Märchenwelt, die dem Charakter des Stücks ideal entsprechen.

Theater

Zeichne mir ein Schaf!

Kabinetttheater

Wh.: bis 1. Dez. (Restkarten!)