Linz. Zwischen dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) und Hermann Schneider, Intendant des Linzer Landestheaters, dürfte nicht das beste Gesprächsklima herrschen. Vom geplanten Ausstieg der Stadt aus dem Theatervertrag erfuhr der Intendant erst aus den Medien und auch über die aktuelle Pressekonferenz zur Causa wurde der Theaterleiter vorab nicht informiert.

Dabei steht die finanzielle Zukunft des Hauses auf dem Spiel. "Dass mit den Betroffenen nicht gesprochen wird, ist fahrlässig", zeigt sich Schneider im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" besorgt.

Schmerzhafte Kürzungen

Unter Druck: Linzer Intendant Hermann Schneider. - © Petra Moser
Unter Druck: Linzer Intendant Hermann Schneider. - © Petra Moser

Das Linzer Landestheater ist ein gut funktionierendes Dreispartenhaus, das 2013 mit dem Musiktheater am Volksgarten einen prestigeträchtigen Neubau eröffnete. Bislang wurde es mit 14 Millionen Euro von der Stadt Linz gefördert, den restlichen Teil des Budgets stemmt das Land Oberösterreich.

Die Zahlungsströme zwischen Land und Stadt regelt seit den 1970er Jahren ein laufend adaptierter Theatervertrag. Das Vertragswerk umfasst eine ganze Reihe an Kultureinrichtungen - von Landestheater über Bruckner Orchester bis hin zur Ars Electronica. An sich kein unüblicher Vorgang, die meisten großen Kultureinrichtungen werden von Kommunen und Land gemeinsam getragen, häufig in Form einer Holding, die Synergieeffekte etwa bei Administration und Ticketing nützt.

Die Stadt Linz beabsichtigt, in der nächsten Gemeinderatssitzung am 6. Dezember den veralteten Vertrag aufzulösen. Wirksam wird die Kündigung erst 2020, vorgesehen ist auch, dass Stadt und Land bis dahin neue Vereinbarungen treffen. Doch wie diese konkret aussehen, ist derzeit völlig offen. Die Kulturschaffenden sind freilich alarmiert.

In der jüngsten Pressekonferenz rechnete Stefan Giegler, Fraktionsvorsitzender und Kultursprecher der SPÖ Linz, die Negativbilanz vor: Die Stadt bekomme aufgrund komplizierter Verflechtungen 86,5 Millionen weniger, als sie an das Land überweist. "Es ist dringend notwendig, die Finanzströme neu zu ordnen", so Giegler.

Die Neuordnung kommt gerade für das Landestheater zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die oberösterreichische Landesregierung hat das gesamte Kulturbudget um 3,5 Prozent reduziert. Das Landestheater musste bereits eine Reduktion von 10 Prozent des Etats hinnehmen. "Bei den Sparbeschlüssen des Landes waren wir aber stets eingebunden", so Schneider. "Die Kürzungen sind dennoch schmerzhaft und werden demnächst voll aufschlagen."

Bisher habe man notwendige Investitionen zurückgestellt, um den Betrieb am Laufen zu halten. Wenn der Sparkurs indes in voller Härte wirksam wird, sieht sich Schneider gezwungen, das künstlerische Angebot einzuschränken, was möglicherweise zu Personalabbau führen kann.

"Derzeit habe ich keine Garantien seitens der Stadt, wie es mit der Finanzierung weitergeht", sagt Schneider. Dabei müsste der Intendant jetzt Verabredungen für die kommenden Spielzeiten treffen. "Die Ungewissheit schränkt meinen Handlungsspielraum ein. Das Haus könnte Schaden nehmen."

Rückendeckung erhält Schneider von der Direktorenkonferenz. Die Intendanten aller Landestheater appellierten in einer Aussendung an die Kulturpolitiker "keine Abgrenzungskonflikte und Planspiele zu Lasten des Landestheaters" zu veranstalten. Auch eine Petition ist im Umlauf.

Wo aber Gefahr ist, wächst bekanntlich das Rettende auch. Jedenfalls gibt es erstmals einen Gesprächstermin zwischen Bürgermeister Luger und Intendant Schneider. Auch Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hat in einer Aussendung angekündigt, dass ein gemeinsamer Termin bereits vereinbart sei. Stelzer: "Am Land Oberösterreich wird eine gute Lösung für das Theater sicher nicht scheitern."