Gleichgeschlechtliche Beziehungen, das zeigt "Tropfen auf heiße Steine", laufen auch nicht anders ab als heterosexuelle: Verführung - Stockholm-Syndrom - Alltagstrott - Psychokrieg - Eifersucht - irgendein Ende. In den 60ern, als der junge Rainer Werner Fassbinder sein Drama schrieb, verstörte das wahrscheinlich noch. Als es nach seinem Tod in den 80ern uraufgeführt wurde, schon weniger. Heute, in Cornelius Edlefsens Inszenierung im Vestibül des Burgtheaters, sieht man eine ganz normale Bühnenbeziehungskiste.

Himmelschreiend vorhersehbar

Der unbekümmerte, glücklich verlobte Franz, 19, lässt sich vom wesentlich älteren Leopold abschleppen. Es dauert, bis er kapiert, was der von ihm will. Umso schneller ist dann das Paarklischee verwirklicht, wonach Franz das dienstbare Mädchen in der Beziehung ist, Leopold launisch und herrisch. Der Dialog ist flott und natürlich gespielt - Christoph Radakovits gibt sich erst unbekümmert, dann bitter sardonisch, Daniel Jesch führt mit souveränem Ton die Zweierszenen an -, aber himmelschreiend vorhersehbar. Als am Ende Alina Fritsch und Stefanie Dvorak als die jeweiligen Exfreundinnen auftauchen, verfestigt sich das Spiel aller zu einer seltsamen Künstlichkeit, sodass das tragische Ende kalt lässt.

Eine Tanzsequenz ist Hommage an die Verfilmung durch François Ozon. Bühne und Kostüm sowie die Darstellung der Frauenfiguren (sexy, aber dumm) belassen den Text in seiner Entstehungszeit. Warum er auch abseits von dieser spannend sein könnte, schafft der Abend nicht zu vermitteln.