"Gott sei Dank hat der Mensch diese wunderbare Eigenschaft, dass er lächerlich sein kann." - © Moritz Ziegler
"Gott sei Dank hat der Mensch diese wunderbare Eigenschaft, dass er lächerlich sein kann." - © Moritz Ziegler

Wien. Gerhard Polt ist die Ruhe in Person. Er sitzt in der Lobby eines Wiener Hotels und sinniert minutenlang über die Weißwurst. Auch dem Wiener Schnitzel sei er nicht abgeneigt. Mit Wien verbindet ihn ein stoischer Onkel, der ihn als Kind sehr beeindruckte. "Dem war die Apokalypse wurscht." Kanzler Kurz empfiehlt er, Würstel zu verkaufen. Die "Wiener Zeitung" hat Polt vor seinen beiden Auftritten im Stadtsaal Wien getroffen.

"Wiener Zeitung": Sie sollen schon als Kind Weißwurstexperte gewesen sein.

Gerhard Polt: Stimmt

Was macht eine gute Weißwurst aus?

Die Weißwurst muss dir freundlich gesinnt sein. Sie muss dir, wenn du sie aufschneidest, ruhig, aber doch bestimmt, entgegenkommen. Die Weißwurst ist das große Geheimnis eines jeden Metzgers. Jeder macht seine Weißwurst ein bisschen anders. Darum sind sie auch verschieden, so wie auch Brezn verschieden sind. Und natürlich muss eine Weißwurst frisch sein.

Man sagt, eine Weißwurst darf das Zwölf-Uhr-Läuten nicht hören.

Das war früher so. Das stimmt seit der Zeitumstellung nicht mehr. Die Weißwurst weiß nichts von einer Sommerzeit.

Wir sind in der Stadt des Schnitzels. Schmeckt Ihnen das Wiener Schnitzel auch?

Sowieso. Das Wiener Schnitzel ist ein Stück Abendland.

Und was ist ein Stück Morgenland?

Ein guter türkischer Mokka.

Was verbinden Sie mit Wien?

Als Kind hatte ich in Wien den ominösen Onkel Otto. Der war ein Verwandter mütterlicherseits. Er hat mich an einen Truthahn erinnert. Ich weiß nicht warum, aber es war so. Er war für mich ein großer Mensch, weil er ein Stoiker war. Ich hatte immer das Gefühl, den kann nichts erschüttern. Er hat über Katastrophen geredet, als wären sie das Normalste auf der Welt. Wenn erzählt wurde, dass jemand gestorben ist, hat ihn das überhaupt nicht beeindruckt. Diese Haltung hat mich sehr beeindruckt.

Sie wirken auch relativ gelassen. Man sagt, die Österreicher wären den Bayern sehr ähnlich.