• vom 30.11.2018, 16:05 Uhr

Bühne

Update: 30.11.2018, 16:27 Uhr

Theaterkritik

Einzelmann rockt sich zu Tode




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Von Edwin Baumgartner

  • Philipp Hochmair triumphiert in "Jedermann (reloaded)" im Burgtheater

Jedermann ist alle: Philipp Hochmair in seinem "Jedermann (reloaded)"-Projekt.

Jedermann ist alle: Philipp Hochmair in seinem "Jedermann (reloaded)"-Projekt.© Heike Blenk Jedermann ist alle: Philipp Hochmair in seinem "Jedermann (reloaded)"-Projekt.© Heike Blenk

Jedermann im Military-Anzug: Lässig, selbstsicher, Zigarette im Mund, steht Philipp Hochmair auf der Burgtheater-Bühne inmitten eines Trios: Gitarre, Schlagzeug, ein Arsenal elektronischer Instrumente, Mikrophone, vorne, klein, verloren, ein Kreuz. Scheinwerfer erzeugen kubistische Lichteffekte. Irgendwann regnet es goldenen Flitter.

Bei den vergangenen Salzburger Festspielen ist Hochmair kurzfristig für den erkrankten Tobias Moretti als Jedermann eingesprungen und hat begeistert. In seinem "Jedermann (reloaded)"-Projekt spielt er alle Rollen - nur für die Buhlschaft kommt Ulrike Beimpold auf die Bühne, überzeugt mit ungeheurer Präsenz.

Information

Theater

Jedermann (reloaded)

Nach Hugo von Hofmannsthal

Mit Philipp Hochmair, Ulrike Beimpold und Die Elektrohand Gottes

Burgtheater

Hochmairs Jedermann ist alle, die Bittsteller, die Gäste, die Mutter. So viele Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Einzelne Verse verfangen sich in Endlosschleifen, sprechend rhythmisiert, eindringlich. Hugo von Hofmannsthals Text wird zum gewaltigen Sprachklangtheater. Wort und Stimme sind nicht mehr Träger der Handlung, sondern Gesten, teilen sich auf der Ebene des Fühlens mit. Dem Wort bekommt seine Magie zurück.

Den Klangfond erzeugt das Musikertrio "Die Elektrohand Gottes" mit Klängen irgendwo zwischen Hans Werner Henze und Heavy Metal. Wenn Jörg Schittkowski das Theremin jaulen lässt, sieht seine Spieltechnik aus wie esoterische Handzeichen, wenn Alvin Weber am Schlagzeug pumpende Rhythmen zwischen Knarzen und Knarren erzeugt und Tobias Herzz Hallbauer die Gitarre in grobkörnigen Bässen aufplustert, schafft das Klangräume in denen sich Hochmairs Sprachkunst als quasi-konzertante Ebene einfügt.

Am Ende muss auch dieser Jedermann sterben. Ob seine Bekehrung der Angst entspringt oder der Überzeugung, bleibt ungewiss. Ein überwältigendes Theater-total-Ereignis!





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-30 16:16:34
Letzte Änderung am 2018-11-30 16:27:23


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