- © Karim Khawatmi
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Jesus, Rocky, Vampirgraf: Der Musical-Sänger Drew Sarich (43) ist auf funkensprühende Figuren eingestellt. An der Volksoper betritt er Neuland und spielt ab Sonntag in Leonard Bernsteins "Wonderful Town" einen verkopften Journalisten. Der US-Amerikaner, der mit seiner Familie in Wien lebt, über das seltsame Vorbild für die neue Partie, über Musicalflops und Erfolgsrollen wie Rocky, den er auch mit gebrochener Nase sang.

"Wiener Zeitung":Weckt die Bühne von "Wonderful Town" Erinnerungen? Sie haben ja einige Zeit am Handlungsort New York gewohnt.

Drew Sarich: Ja, direkt nach meinem Studium und ab 2005 noch einmal für drei Jahre. Einige Zeit lebte ich in der Grove Street. "Wonderful Town" beginnt gleich um die Ecke, nämlich in der Christopher Street in Greenwich Village. Ich kenne mich dort wahnsinnig gut aus.

Sie spielen meist Figuren, die vor Energie bersten. Jetzt verkörpern Sie einen verzwickten Journalisten. Eine Umstellung?

Riesig! Meine bisherigen Rollen waren extrovertiert, verführerisch oder humorvoll. Robert Baker hat nichts davon. Er ist steif und kommt nicht aus sich heraus. Wenn die Hauptfigur Ruth eine Dinner Party gibt, wirkt er wie das fünfte Rad am Wagen. Es fällt mir schwer, mich in ein solches Korsett zu stecken und wohlzufühlen.

Warum spielen Sie die Rolle?

Es ist etwas Neues für mich. Baker ist der Einzige in dem Stück, der sich nicht durch Humor retten kann. Man hat als Darsteller einen gewissen Drang zu diesem Verhalten, man denkt sich: Ha, diesen Lacher könnte ich holen! Robert Baker ist eine Übung im Reduzieren.

Sie haben einmal erzählt, dass Sie sich beim Erlernen einer Rolle ein Tier vorstellen. An welches haben Sie bei Baker gedacht?

Ich bin ein Kind der 80er Jahre und mit der "Muppet Show" aufgewachsen. Dort gab es eine Figur namens Sam, den Adler. Der wirkte immer irgendwie unzufrieden und schien nicht recht zu wissen, warum er überhaupt da war.

Sie werden den Robert drei Mal pro Monat an der Volksoper spielen. Selten, verglichen mit Musicalbühnen: Sie haben dort oft jahrelang, Abend für Abend, dieselbe Rolle gesungen. Wie hält man so etwas aus?

Wir sind Rennpferde und dafür ausgebildet. Und: Solche Produktionen haben Vorteile. Es gibt immer einen nächsten Abend. Das gibt dir den Mut und die Freiheit, Varianten auszuprobieren. Es gab schon Rollen, da war ich wegen solcher Ideen nicht sehr befreundet mit der Abendspielleitung(lacht). Aber man experimentiert nur in einem gewissen Rahmen und mit der Gewissheit, bei der nächsten Vorstellung zum Üblichen zurückkehren zu können.