Haben Sie in Musicals mitgespielt, über die Sie heute sagen würden: Mein Gott, war die Musik schlecht?

Es waren ein paar dabei, über die ich im Nachhinein sagen würde: naja. Aber ich versuche, immer etwas Positives mitzunehmen. Manchmal bekommt man eine Rolle und weiß nicht viel, gerade bei Uraufführungen. Aber man freut sich, an der Entstehung eines Stücks beteiligt zu sein. 2004 war ich bei "Barbarella" im Raimundtheater dabei. Auf dem Papier hätte es super funktionieren sollen. Dave Stewart (von der Band Eurythmics, Anm.)hat Musik geschrieben, wir hatten Sounddesigner von Pink Floyd und Robbie Williams. Ich erinnere mich noch an meine erste Probe mit Stewart. Er holte die Gitarre raus, wir spielten ein Lied und überlegten, wohin es gehen soll: eine Erfahrung. Aber man versteht letztlich den Sinn von Lesungen und Workshops vor einer Premiere. Damit kann man herausfinden, ob ein Stück funktioniert, bevor man mit einer teuren Produktion beginnt.

"Barbarella" ist gescheitert . . .

. . . ja, aber man muss auch solche Erfahrungen machen. Ich bin 1999 für "Der Glöckner von Notre Dame" nach Europa gezogen und nach Berlin gekommen, das war großartig. Am stolzesten bin ich auf "Rocky". Es war herausfordernd und beängstigend zugleich, bis dahin hatte ja nur Sylvester Stallone die Rolle verkörpert.

Haben Sie mit ihm gearbeitet?

Ja. Er ist unglaublich klug, er schreibt und malt. Er hat mir auf einem Hotelflur in London gezeigt, wie Rocky boxt, nämlich ganz "falsch". So richtig zum Boxen kam ich durch Wladimir Klitschko, der ein Koproduzent des Musicals war.

Sie haben mit Klitschko geboxt?

Er hat in Tirol für einen Kampf trainiert, ich wurde für zwei Tage zu ihm gebracht. Einmal sagte er: "Komm, wir machen zwei Runden, ich geb dir für jeden Treffer 100 Euro." Versuch einmal, einen Weltmeister zu treffen! Er sagte mir, ich soll einen Leberhaken schlagen. Ich wusste nicht, wo das Organ ist. Dann schlug er zu und sagte: "Da ist die Leber!" Auch Klitschko ist ein unglaublich intelligenter, interessierter Typ. Er hat sich die Show viermal angesehen. Die Rolle hat mich fast kaputtgemacht, und ich habe jede Sekunde davon geliebt.

Warum kaputtgemacht?

Wenn man Rocky sieben Tage die Woche drei Jahre spielt, lernt man seine Grenzen kennen. Die letzten 20 Minuten waren ein Kampf, mit vollem Kontakt. Er war choreografiert, aber manchmal standen wir falsch. Zweimal wurde meine Nase gebrochen.

Und Sie haben weitergesungen?

Ja. Aber am Ende haben wir uns immer umarmt. Das liebe ich am Theater so: Dass eine Gruppe zu einer kleinen Bande zusammengeschweißt wird, wie auch jetzt bei "Wonderful Town".