- © Bettina Frenzel
© Bettina Frenzel

Gesine Schmidts "doku-fiktionale Feldforschung" "Begehren", deren österreichische Erstaufführung nun im Wiener Kosmos Theater ihre Premiere hatte, ist in der Inszenierung der vor kurzem mit dem Nestroy-Preis ausgezeichneten jungen österreichischen Regisseurin von Sara Ostertag ein fährtenreicher text-choreografischer Bekenntnisabend geworden.

Frauen und Männer zwischen 26 und 75 Jahren hat die Autorin für ihr Stück über die oft lebenslange Suche nach dem eigenen Begehren interviewt und die versammelten erotischen Ab- und Tiefgründigkeiten individuellen Verlangens zu einer Art moderner Revue von Lebens- und Lustgeschichten verwoben.

Das sechsköpfige Ensemble erzählt, tanzt und singt sich durch die biografischen Einblicke. Erst im Laufe der Episoden fügen sie sich zu erkennbaren Lebenswegen. Eines will dieser Abend wohltuend nicht: Erklärungen anbieten und das komplexe Gewinde, das sich im Spiel sexueller Begehrlichkeiten und tabuisierter Fantasien manifestiert, vereinfachen. Intensiv wird die hochmusikalische, mit einfachen choreografischen Bildern arbeitende Inszenierung vor allem durch diese konsequente Verweigerung von Deutungsmustern, indem die persönlichen Skizzen nicht mit singulären Biografien gleichgesetzt werden.

Die Geschichten, von denen die wenigsten letztlich überraschen, verlieren so trotz der scheinbaren Leichtigkeit, mit der sich der Abend ihnen nähert, nie an existenzieller Tiefe. "Immer der Moment", heißt es am Ende. Dem kann man sich bei der Aufführung von "Begehren" auch schwer entziehen.