• vom 06.12.2018, 16:54 Uhr

Bühne

Update: 06.12.2018, 17:49 Uhr

Performance-Kritik

Verebbender Totentanz




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Von Verena Franke

  • Choreograf Simon Mayer zeigt durchwachsene "Requiem"-Uraufführung.

Auferstanden aus dem Erdgrab: Matteo Haitzmann. - © Franzi Kreis

Auferstanden aus dem Erdgrab: Matteo Haitzmann. © Franzi Kreis

Sanft reinigt eine dunkelgekleidete Performerin den nackten, am Boden liegenden und regungslosen Körper. Mit Bedacht und sichtlichem Respekt wäscht sie über sein Gesicht. Dann wird er von vier Männern auf eine schwarze Bahre gehievt - schnell noch mit Mikros beklebt -, und vom Foyer aus, begleitet von Nebelschwaden, in den Theaterraum getragen. Es entsteht eine stille Prozession der Zuseher. Der Körper wird dann in einem auf der Bühne aufgeschütteten Erdhaufen begraben. Grablichter und feuchter Erdgeruch verleihen der Performance Authentizität.

"Requiem" nennt der heimische Künstler Simon Mayer sein jüngstes Werk, das nach seinem Durchbruchsstück "Sons of Sissy" wieder mit dem Performer Matteo Haitzmann und Sixtus Preiss (Sound) - diesmal im Theater Odeon - seine Uraufführung hatte. Erneut setzt Mayer auf beinahe cineastische Bilder, die für sich alleine mit der Soundkulisse und dem Lichtspiel atmosphärisch dichte Geschichten entstehen lassen. Matteo Haitzmann muss dafür darstellerisch an seine Grenzen gehen: Er singt, tanzt, kratzt mit dem Bart die Geige, während er sich wie ein Derwisch um sein eigenes Grab dreht, bleibt eine gefühlte Ewigkeit unter dem Erdhaufen begraben, wirft sich umher. Doch seine darstellerische Energie trägt das Stück nicht bis zum Ende - die zu Beginn sehr starke Intensität verliert sich.

Information

Performance

Requiem

Von Simon Mayer

Theater Odeon

Wh.: 7. und 8. Dezember





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-06 17:05:10
Letzte Änderung am 2018-12-06 17:49:36


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