Wo bleibt Werner Heisenberg, werden sich in Simmering und Floridsdorf bildungsbeflissene Abonnenten des Volkstheaters fragen. In der Zwei-Personen-Beziehungskomödie "Heisenberg" ist der 75 Jahre alte Hagestolz in London, dem eine 42 Jahre junge Amerikanerin zuläuft, kein Nobelpreisträger. Sondern Fleischhauer im eigenen Laden. Die Heisenberg’sche Unschärferelation sagt: Zwei Eigenschaften eines Teilchens sind nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar. Das heißt wohl, unscharf weitergedacht, dass sich Mann verändert, während Frau unter die Lupe genommen wird - und umgekehrt.

Die quirlige Georgie bekennt physikalisch altklug: "Wenn man etwas intensiv genug beobachtet, begreift man, dass man unmöglich sagen kann, wohin es sich bewegt und wie schnell es dorthin gelangt." Die Welt spürt sie bisweilen als "rotierenden Wirbel aus Schwerkraft und Materie im Raum". Wo Heisenberg draufsteht, ist Heisenberg drinnen - als Idee, Zitat, Brimborium.

Siegt die Liebe?

Wie in allen 90-Minuten-Bühnendialogen zwischen Mann und Frau. Denn sie sind nur im Wechselstrom unscharfer Annäherungen in Gang zu bringen. Der erfolgsverwöhnte Engländer Simon Stephens zwängte diesmal welterklärenden Tiefsinn in seinen Aufguss des uralten Komödienmusters "Alter Mann und junge Frau". Die beiden treffen zufällig auf einem Bahnsteig zusammen. Dass die Draufgängerin den in seiner Vereinsamung zufriedenen Alten ausnehmen will, offenbart sich spät. Regisseur Sebastian Schug lässt sie die eingeheimsten Pfundnoten über die ganze Bühne ausstreuen. Behänd hält er das Spiel zwischen Realität und Soziallabor-Künstlichkeit.

Die Moral siegt - aber siegt die Liebe? Heisenberg ist für negative Stabilitätsprognosen bekannt.

Dass aus der programmierten Gegensatzkomik von Männlich-Britisch und Weiblich-Amerikanisch wenige Funken schlagen, liegt an Barbara Christs bisweilen knarrender Übersetzung. Michael Abendroth mimt den Metzger elegant-distanziert wie ein Verkäufer von Herrenmode. Joanna Kitzl springt aufgezogen wie ein Federfrosch auf die Bühne. Mit blitzendem, waffenscheinpflichtigem Augenspiel. Solche Hoppla-jetzt-komm-ich-Kunst nützt sich ab. Während Abendroth bis zum unscharfen Happyend immer milderes Altherren-Abendlicht verströmt.

Theater

Heisenberg

Von Simon Stephens

Sebastian Schug (Regie)

Volkstheater in den Bezirken

Wh. bis 2. Februar