Simone Solga zollt Merkel "große Bewunderung, sich in der Männerwelt auf politischem Parkett behauptet zu haben". - © D.Reichenbach
Simone Solga zollt Merkel "große Bewunderung, sich in der Männerwelt auf politischem Parkett behauptet zu haben". - © D.Reichenbach

Seit 2005 ist Angela Merkel deutsche Kanzlerin. Genauso lange hat sie eine "Kanzlersouffleuse": die Kabarettistin Simone Solga, die ihr drittes Soloprogramm so genannt hat und sich seither an der deutschen Innenpolitik abarbeitet. Mit ihrem inzwischen vierten Merkel-Programm, "Das gibt Ärger", gastiert die 55-jährige Thüringerin am 31. Jänner 2019 im Wiener Stadtsaal.

"Wiener Zeitung": Was bedeutet Angela Merkels Rückzug als Kanzlerin und CDU-Chefin für Ihr Programm? Wie viel mussten Sie in den vergangenen Wochen noch einmal mittendrin umschreiben?

Simone Solga: Ich halte mein Programm immer tagesaktuell. Das ist ja wohl für politisches Kabarett selbstverständlich. Der dann doch recht überraschende Rückzug lässt Texte in neuem Licht erscheinen, da hatte ich ein wenig zu tun. Jedoch bleibt sie ja noch die Kanzlerin. Und meine erdachte Programmhandlung spielt mir eigentlich eher zu.

Hat Merkels Rückzug Sie selbst überrascht?

Erst dachte ich, sie macht eine Pressekonferenz, um mitzuteilen, dass sie für den SPD-Vorsitz kandidieren will. Aber da war ich zu vorschnell.

Bitte um Ihre Prognose als Souffleuse der Kanzlerin: Was wird Merkel noch so alles erledigen und umsetzen? Wie sieht da Ihre To-do-Liste aus?

Verschiedene Länder und Staatschefs sind zu besuchen, ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer muss in das Geheimnis der Raute eingeweiht werden. Sie muss noch eine Neujahrsansprache halten, an treue Weggefährten Preise verleihen, zum Beispiel die goldene Altmeier-Nadel am laufenden Band, zum Schluss müssen auch ihre Sakkos aussortiert werden . . . aber da Friedrich Merz nicht reinpasst, kriegt sie vielleicht Kim (Jong-un, Anm.).

Und ganz seriös betrachtet: Was hat Merkel als Kanzlerin tatsächlich noch politisch zu erledigen?

Deutschlands digitale Zukunft, Pflege, Renten, Mieten, Klima,
E-Mobilität, Fluchtursachenbekämpfung . . . noch mehr? Also jedenfalls alles Dinge, die sie gar nicht erledigen kann, bevor sie abtritt. Aber schon längst hätte angehen müssen. Der Handlungsbedarf ist ja nicht über Nacht gekommen. Aber was fragen Sie mich seriös als Kabarettistin? Ich könnt es auch nicht besser. Ich bin Spaßmacher und hab ja nicht wirklich Ahnung, welchen Sachzwängen ein Kanzler unterworfen ist.

Was bedeutet Merkels Kanzlerschaft für die Position von Frauen in der Politik im Speziellen und in der Gesellschaft im Allgemeinen?

Ein Novum. Und ich zolle ihr große Bewunderung, sich in der Männerwelt auf politischem Parkett behauptet zu haben. Frauen in Führungspositionen, jawohl! Wenn jetzt noch eine Frau Papst werden kann . . .