Theaternebel wabert über die Bühne des Rabenhof Theaters. Eine Schauspielerin in bodenlanger tiefschwarzer Tracht schlängelt sich über die mit Baumstämmen vollgestellte Bühne, positioniert sich an der Rampe, legt die Schrotflinten-Attrappe an und feuert frontal ins Publikum. Peng. Äußerst effektvoll beginnt die Uraufführung von "Blutrache", doch die Spannung verflüchtigt sich bald im Lauf der 90 Minuten.

Die Ausgangsidee hat indes Charme: Regisseur Jethro Compton, der 2016 im Rabenhof mit einer sensationellen Western-Trilogie gastierte, versucht in dem von ihm selbst verfassten Stück nun eine Fusion aus Western und Heimatroman, indem er Figuren aus heimischen Wilderer-Geschichten wie hartgesottene Western-Desperados agieren lässt. Exemplarisch an diesem lohnenden Unternehmen ist auch, dass nicht Männer, sondern zwei Frauen, Mutter und Tochter, als Rachegöttinnen auftreten. Laut Programmheft beruht das blutrünstige Epos mit unerwarteten Wendungen sogar auf wahren Tatsachen.

Doch in der szenischen Umsetzung wirkt "Blutrache" seltsam blutleer. Das vierköpfige Ensemble bleibt in der mitunter recht naturalistisch daherkommenden Inszenierung - eine Schusswunde wird etwa minutiös verarztet - doch etwas holzschnittartig.