Was Deutsche und Österreicher trennt, ist die gemeinsame Sprache. Diesen alten Spruch kennt auch Vincent Pfäfflin. Und so warnt der deutsche Comedian, der seine Kindheit in den USA verbracht hat, sein österreichisches Publikum im Wiener Stadtsaal vor: "Ich weiß nicht, ob ihr meine Witze verstehen werdet." Letztlich ist es aber eher Pfäfflin, der die österreichischen Zwischenrufe nicht versteht. Und nicht nur deshalb entwickelt sich das Wien-Gastspiel zu einer recht zähen Auswärtspartie für den Komiker, dessen Humor auf ganz bewusster Trägheit basiert. So belämmert muss man sich erst einmal auf einer Bühne hinstellen - und das dann auch noch zwei Stunden lang durchhalten.

In Wien ist der Rasen jedenfalls recht holprig (um beim Fußball zu bleiben, auch wenn der im Programm gar nicht vorkommt), und viele Pointen zünden nur bei einem Teil des Publikums, das ihm nach etwa einer halben Stunde in die Parade fährt, was ihn sichtlich ein bisschen aus dem Konzept bringt. Man scheint förmlich zu sehen, wie ihm da erst so richtig klar wird, worauf er sich hier eingelassen hat. Vielleicht hätte er auch seine Hausaufgaben besser machen müssen, denn manche Gags funktionieren hier bei den Ösis einfach nicht. Oder liegt es daran, dass sie per se eigentlich gar nicht lustig sind und nicht genug Ulknudeln im Saal sitzen, um die Stimmung über die Zeit zu bringen?

Es braucht jedenfalls schon eine besondere Art von Humor, um ungeniert Witze übers Kiffen zu machen, sich über das 1-Euro-Pfand bei Einkaufswagen zu wundern oder über eine schnarchende und pupsende Freundin herzuziehen. Exakte Alltagsbeobachtungen werden vermischt mit abstrusen Betrachtungen und ulkigen Wortklaubereien. Und Pfäfflin schafft es immer wieder, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, über den er sich dann wenn schon nicht echauffieren, so doch zumindest voller Unverständnis auslassen kann. In seinem Stil hält, zu dem auch vulgäre Einschübe gehören. Aber der gehört eben zum Konzept. Wer das liebt, kommt an diesem Abend voll auf seine Kosten. Man merkt allerdings auch, wer sich aus Gutmütigkeit von einem Pfäfflin-Jünger mitschleppen hat lassen.

Wobei durchaus zwischendurch Genialität durchblitzt, wenn er etwa über den Aufbau der Lidl-Backbox ("Ninja Warrior für Brötchen") sinniert. Wenn er sich ausrechnen lässt, dass er für die Umwelt so viel tut wie fünf Bäume, und feststellt: "Ich dachte, Bäume machen mehr." Um im Nachsatz zu erläutern, warum er keine Bäume umarmt. Damit versöhnt er jene im Saal, die zuvor verständnislos seinen Ausführungen über die Nuancen von Sprudelwasser und Yogi-Tee gelauscht haben. Allerdings folgt wie das Amen im Gebet gleich wieder eine Pointe, bei der man sich fragt, wie er überhaupt auf sowas kommen konnte.

Dem recht frühen Schlusspfiff folgt dann eine Nachspielzeit, die fast so lang wie die (sehr kurze) zweite Hälfte ist. Aber mutmaßlich gehört dieser langgestreckte Abschied vom Publikum, in dem Pfäfflin nochmals ein paar sehr schräge Pointen auspackt, einfach zum Programm dazu. Es scheint jedenfalls, als wolle er gar nicht von der Bühne gehen, sondern noch ein bisschen Humorzeit schinden. Am Ende tritt er dann doch recht schnell ab, unter verhaltenem Applaus. Dass er nicht wenigstens einmal wieder herauskommt, spricht irgendwie auch für sich.