Sie sollten pflegen, aber sie töteten. Vier Krankenschwestern füllten 1989 die Spalten im Sensationsboulevard, als aufgedeckt wurde, dass sie im Lainzer Spital über 200 Patienten mit Wasser erstickt hatten ("Mundpflege"). Fasziniert lasen die Berichte damals auch Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger und Gudrun Maier vom steirischen Performance-Kollektiv Die Rabtaldirndln. Jetzt nehmen sie sie zum Anlass, über die Macht von Pflegenden, die Selbstbestimmtheit beim Sterben und nicht zuletzt das eigene Ende nachzudenken.

Pflegenotstand

Die so entstandene Performance "Böse Frauen" unter der Regie von Ed. Hauswirth schafft den Spagat zwischen Leichtigkeit und Beklemmung, Augenzwinkern und Brutalität. Sie zwingt Zuschauende zur Beschäftigung mit Verdrängtem, ohne dass man sofort merkt, wie ungut es ist. Ergraut bis ins Kostümbild fahren die drei auf Hoverboards über die Bühne im Studio Brut, wo sie - vielleicht etwas sehr nummernartig, aber mit sensibel gespanntem Bogen - die Aspekte ihrer Recherche abhaken: Mal channeln sie Pflegebedürftige, mal Pflegeroboter, zwischendurch quälen sie einander und lassen ahnen, wie befriedigend das sein könnte. Auch persönliche Geschichten vom Tod haben Platz.

Die Lainzer Schwestern selbst werden in einer überkandidelten Séance angerufen. "Ist eine von euch heute hier?", fragen Die Rabtaldirndln und rotieren dann aufgeregt auf dem "Ja"-Feld. Ein Schauer rinnt uns über den Rücken. Könnte ja sein. Alle vier Täterinnen sind wieder auf freiem Fuß. Der Tod ist unter uns.

Theater

Böse Frauen

Studio brut, bis 18. Dez.