"Wir machen hier jetzt ein Gespräch, habe ich im Programm gelesen", sagt Harald Schmidt gleich zu Beginn zu Michael Niavarani. Sagte es mit dieser lässigen Arroganz, die so typisch für die Late-Show-Legende ist und die man eigentlich nur ihm wirklich verzeiht. Und irgendwie hat es ja auch gestimmt. So wirklich vorbereitet wirkten die beiden Humorgrößen nicht - aber das war ja das Konzept des Abends. Das ging manchmal mehr, manchmal weniger auf. Zwei Fauteuils und ein Tischerl reichten als Bühnenbild, auf dem Tisch Wasser, über das Schmidt fürsorglich zu Niavarani meinte: "Trink nicht so viel, sonst musst du raus."

Niavarani sollte Schmidt dann erklären, warum es so lang gedauert hatte, bis dieser Abend endlich ausverkauft war - immerhin zweieinhalb Tage. Man verständigte sich über die Sprachregelung, dass es eben "kein Abend für die Massen" ist. Tatsächlich wurde hier mit betonter Belesenheit nicht gespart: Schmidt rezitierte im schwäbischen Dialekt Ludwig Uhlands Gedicht "Der wackere Schwabe" und flötete in verschiedenen Stimmlagen einen Schnelldurchlauf des Weihnachtsoratoriums von Bach. Niavarani spielte die Rolle des Anekdoten-Historikers ("Ich weiß nur wer mit wem wo im 17. Jahrhundert") und erzählte, was der Schwager von Mozart mit der Happy-End-Verfügung von Joseph II. für das Burgtheater zu tun hatte.

Dazwischen meinte Schmidt, diese Bildungsprotzerei sei jetzt auch langweilig. Also fragte ihn Niavarani nach seiner Prostata. Und seiner Morgenlatte. Und ob er schon in dem Alter ist, wo man nicht mehr weiß, was man mit der Morgenlatte anfängt. "Ja, es ist nicht alles Burgtheater", sagte Schmidt dann und verteidigte diese "rustikale Variante".

Ich bin ja Nazi

Gesellschaftskritisches kam auch zur Sprache: Der Satz "Ich bin ja kein Nazi, aber..." sei ja in Verruf geraten, deswegen sage Schmidt jetzt immer: "Ich bin ja Nazi, aber ich finde, man muss Flüchtlingen helfen." Diese locker hingesagte Umdrehung spießte die Macht und Perfidie von Sprache so simpel wie geschickt auf und machte einmal mehr die Qualität eines Harald Schmidt und sein schmerzliches Fehlen im Humordiskurs in Zeiten der Empördiktatur deutlich. Am wenigsten funktionierte der Abend, wenn Niavarani seinen Partner in die Abgründe der österreichischen Innenpolitik locken wollte. Bei den angedachten weiteren Terminen gäbe es Potenzial - auch bei manchen Ungenauigkeiten Niavaranis. Der Witz, dass Sebastian Kurz besser sei als Jesus, weil Letzterer nur über das Mittelmeer gehen konnte, es aber nicht zusperren konnte, würde besser funktionieren, wenn Kurz den See Genezareth "zugesperrt" hätte.

Schmidt erledigte dann noch den Auftrag, Claus Peymann zu erwähnen. Der habe ihm nämlich für jede Erwähnung eine Flasche Champagner versprochen - allerdings mit einer etwas kleinlichen Deckelung von zehn Flaschen.