• vom 27.12.2018, 16:50 Uhr

Bühne

Update: 27.12.2018, 17:43 Uhr

Interview

Nicht jeder träumt vom Burgtheater




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Von Petra Paterno

  • Die Intendantinnen Kira Kirsch und Cornelia Anhaus im Streitgespräch über Bedingungen freier Theaterarbeit in Wien.



Szene aus Nestervals immersivem Spiel "Das Dorf", einer der Erfolgsproduktionen dieser Saison im brut.

Szene aus Nestervals immersivem Spiel "Das Dorf", einer der Erfolgsproduktionen dieser Saison im brut.© Alexandra Thompson Szene aus Nestervals immersivem Spiel "Das Dorf", einer der Erfolgsproduktionen dieser Saison im brut.© Alexandra Thompson

Wien. Aus der freien Theaterszene wurde jüngst die Klage publik, dass Arbeitsbedingungen zunehmend prekär werden. Brut und Werk X-Petersplatz gehören zu den wichtigsten Spielorten für heimische freie Theatermacher.

Die "Wiener Zeitung" bat daher brut-Intendantin Kira Kirsch und Cornelia Anhaus, leitende Kuratorin im Werk X-Petersplatz zum Streitgespräch über die aktuelle Situation der freien Theaterarbeit und was sich verbessern ließe.

"Wiener Zeitung": Das brut begeht die zweite Spielzeit ohne festen Standort. Die Bühne im Künstlerhaus ist wegen Generalsanierung vorläufig geschlossen. Entspricht das freie Vazieren nicht eher den Produktionsweisen der freien Szene?

Kira Kirsch: Fallweise mag es dem projektbasierten Gedanken und Arbeiten der freien Szene entsprechen, aber auf die Dauer erweist es sich bei Organisation und Planung als mühevoll. Wir arbeiten im Prinzip wie ein Festival, müssen den Betrieb aber das ganze Jahr über aufrechterhalten.

Die Spielstätte am Petersplatz hat in jüngster Zeit einige Metamorphosen durchlebt - vom Ensembletheater über Garage X und Eldorado bis hin zum nunmehrigen Werk X-Petersplatz. Das aktuelle Modell - ein Spielort für die freie Szene mit Ihnen als unabhängiger Kuratorin, die Synergieeffekte mit dem Meidlinger Werk X nutzt - stieß ursprünglich nicht nur auf Gegenliebe. Wie bewährt sich die Zusammenarbeit in der Praxis?

Cornelia Anhaus: Wir profitieren vom guten Ruf des Werk X, können Synergieeffekte im Verwaltungsbereich gut nützen und sparen dadurch Kosten. Die Kehrseite davon: Es gibt mitunter längere Entscheidungswege, etwa bei technischem Personal und Bedarf. Derzeit ist die Situation für alle bereichernd, ob das langfristig so funktioniert, wird sich zeigen.

Es gibt den Verdacht, dass zu viel Fördermittel in den Erhalt von Infrastruktur fließt und zu wenig für die Künstler bleibt. Wie stehen Sie dazu?

Cornelia Anhaus war bei der ARGEkultur Salzburg als Dramaturgin und Kuratorin tätig. Seit 2018 hat sie die kuratorische Leitung des Theaters Werk X-Petersplatz inne.

Cornelia Anhaus war bei der ARGEkultur Salzburg als Dramaturgin und Kuratorin tätig. Seit 2018 hat sie die kuratorische Leitung des Theaters Werk X-Petersplatz inne.© W. Lienbacher Cornelia Anhaus war bei der ARGEkultur Salzburg als Dramaturgin und Kuratorin tätig. Seit 2018 hat sie die kuratorische Leitung des Theaters Werk X-Petersplatz inne.© W. Lienbacher

Kirsch: Unsere gesamte Infrastruktur - von Marketing über Dramaturgie bis Technik - existiert bei uns aus einem einzigen Grund: um sie Projekten der freien Szene zur Verfügung zu stellen. Wir bieten professionelle Produktionsmöglichkeiten, generieren Aufmerksamkeit und erhöhen die internationale Sichtbarkeit von Künstlerinnen und Künstlern.

Koproduktionshäuser haben das freie Produzieren verändert. Beklagt wird etwa, dass Gruppen wenig Einfluss auf die Dauer der Spielserien haben, so kann es zur paradoxen Situation kommen, dass gut finanzierte Gruppen ihre Stücke kaum zeigen können. Wie sehen Sie das?

Anhaus: Diese Kritik würde ich zurückweisen, da ich immer gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern plane. Problematisch sind eher späte Förderzusagen, die den Teams mitunter wenig Spielraum lassen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-27 17:02:13
Letzte Änderung am 2018-12-27 17:43:44



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