- © Armin Bardel
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Einmal im Jahr verteilt Alfred Aigelsreiter, seines Zeichens jahrzehntelang das Mastermind der Brennesseln, verbale Watschen in Richtung der Politiker dieses Landes. "Rückschau-dern" nennt er sein Programm, und dass es ihn schaudert, wenn er den Blick über die vergangenen zwölf Monate schweifen lässt, war kaum jemals so stark zu spüren wie heuer. Dementsprechend hagelt es diesmal mehr rechte als linke Haken, wenn Aigelseiter austeilt, getreu dem Motto: "Bevor ich nicht alle und alles diffamiert habe, höre ich nicht auf." Wobei es fast schon an Euphemismus grenzt, seine Tirade als polemisch zu bezeichnen.

Fairerweise bekommen aber auch die politischen Gegner der beiden Regierungsparteien ihr Fett ab, wenngleich sich AIgelsreiter etwa zur SPÖ heuer auffällig wortkarg gibt. Freilich, was soll ein Kabarettist schon über eine Partei sagen, die sich ohnehin selbst zerstört? Ähnlich verhält es sich mit den Grünen, deren einstiger Chefin er deren Andocken bei Novomatic vorhält und attestiert, damit die Kärntner Grünen gekillt zu haben - dazu folgt ein Verweis auf "die grüne Null" beim Roulette. Und die Neos? Die haben bei ihm genauso wenig zu melden. Da hat er schon mehr über Donald Trump und andere außenpolitische Jahresbegleiter zu sagen.

Aigelsreiter jedenfalls betont, "keiner Partei nahe, aber jeder unterschiedlich fern" zu stehen. Auch wenn er der FPÖ besonders "in ehrlicher Abneigung zugetan" ist. Deren unfreiwillige Steilvorlagen nimmt er volley an und zieht mit dem Vollspann ab - oft ganz gezielt direkt unter die Gürtellinie. Die Attribute, mit denen er die blauen Regierungsmitglieder versieht (die türkisen kommen etwas besser weg), werden an dieser Stelle nicht wiedergegeben. Nur so viel: Aigelsreiters Empfehlung zu Beginn, wer ÖVP oder FPÖ gewählt hat, "sollte sich jetzt gleich das Geld an der Kasse zurückholen", hat durchaus ihre Berechtigung. Wer hingegen jeden eher zur Neigungsgruppe Donnerstagsdemo gehört, wird mehr als zwei Stunden lang an seinen Lippen hängen.