Andreas Jähnert kommt aus Zeulenroda, einer Kleinstadt in der ehemaligen DDR. Die Familie unterhielt eine Spielothek, der Großvater indes war Landwirt und Lähnert absolvierte zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung, unternahm eine Weltreise, bevor er sich auf das Theater einließ. Erste Bühnenerfahrungen sammelte er in einer Schauspielschule in Sydney. Wie er von Australien über das Landestheater Vorarlberg schließlich zum Theatergründer wurde, sprach der Performer mit der "Wiener Zeitung".

Andreas Jähnert (stehend) und sein Bruder Sascha Jähnert in "Christuskomplex" im Werk X-Petersplatz. - © Apollonia/Theresa Bitzan
Andreas Jähnert (stehend) und sein Bruder Sascha Jähnert in "Christuskomplex" im Werk X-Petersplatz. - © Apollonia/Theresa Bitzan

"Wiener Zeitung": Sie haben eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht, wäre Landwirt für Sie nach wie vor eine Option?

Andreas Jähnert: Die Arbeit mit und in der Natur, das hat eine andere Philosophie als die meisten Jobs, die es so gibt. Ich mochte das schon als Kind, als ich meinem Opa geholfen habe. Aber es ist viel Arbeit, vor allem wenn man auch Tiere zu betreuen hat. Da muss man einfach da sein. Wenn, dann würde ich es heute eher mit Weinanbau versuchen.

Erste Engagements führten Sie ans Vorarlberger Landestheater. Wie haben Sie die Arbeit im Stadttheater erlebt?

Am Stadttheater spielt viel Angst mit. Da geht es vor allem um den Betrieb, der einfach laufen muss. Schauspieler sind weniger angehalten, sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit einzubringen, sondern sollen vor allem funktionieren. Vieles, was die Arbeit an den Stücken in mir ausgelöst hat, konnte ich gar nicht einbringen.

Ihre nächste Station: Martin Grubers Aktionstheater. Die freie Theaterformation gehört zu den renommiertesten heimischen Gruppen, die vor allem mit Stückentwicklungen zu gesellschaftspolitischen Fragen Furore macht. Wie war es dort?

Das war genau das Gegenteil vom Stadttheater. Hier ging es ausdrücklich darum, sich persönlich einzubringen. Es ging nicht um vorgefertigte Stoffe, sondern um scheinbar Alltägliches, aus dem sich nach und nach ein Theaterabend herausschält. Martin Gruber sucht in seinen Aufführungen nach neuen Inhalten und nach einer Form, die nicht definiert ist. Alles dreht sich um die Frage: Was haben gesellschaftspolitische Fragen mit einem ganz persönlich zu tun.

Vor zwei Jahren haben Sie mit Christian Kühne das Künstlerkollektiv "Theater der Sprachfehler" ins Leben gerufen. Auf Ihrer Homepage heißt es programmatisch, Sie wollen "die Sprache in ihrer vernichtenden Wirkung auf den Menschen untersuchen". Was meinen Sie damit?

Wir geben in unseren Stücken nicht vor, wie die Zuschauer zu denken haben. Die Figuren liefern Anregungen, aber lassen Freiräume, das Publikum entscheidet selbst, wie es mit dem, was es sieht, umgeht, wie es sich dazu in Beziehung setzt. Es geht um Ansichten, um Möglichkeiten, nicht um letztgültige Erklärungen.

Wovon handelt Ihr erstes Projekt, die Trilogie "Rost", "Brücken ins Schwarze" und "Der Christuskomplex", die in dieser Saison im Wiener Werk X-Petersplatz zu sehen waren? Der letzte Teil feiert am 10. Jänner Premiere.

Der rote Faden durch die Trilogie ist gewissermaßen die Reifung eines jungen Mannes. Im ersten Teil "Rost" geht es vor allem um sein Verhältnis zu Vater und Mutter. Im zweiten Teil erfährt er zum ersten Mal, was es heißt, sich zu verlieben. Die Frau in "Brücken ins Schwarze" ist jedoch eine Tänzerin, die kein einziges Wort spricht, während der Mann sich herausnimmt, die Frau mit den Mitteln der Sprache in Besitz zu nehmen. Das kann nicht gutgehen. Im "Christuskomplex" geht es schließlich darum, wie der herangewachsene Mann mit dem tiefen Eindruck, den die erste Liebe in ihm hinterlassen hat, umgeht. Kann er dem Gedanken an diese eine Frau, die dieses starke Gefühl in ihm ausgelöst hat, je entkommen? Kann man sich überhaupt wahrhaftig von jemanden trennen, den man einmal dermaßen in sein Herz geschlossen hat? Trägt man diese erste Liebe ein Leben lang mit sich herum? Und wie kann man danach sein weiteres Leben anpacken? Solche Fragen umkreist die Aufführung, ohne letztgültige Antworten zu liefern.