• vom 06.01.2019, 09:00 Uhr

Bühne


Dirigentenporträt

Den "Ring" im Blut




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Von Christoph Irrgeher

  • Die Staatsoper setzt Wagners Götter-Vierteiler wieder auf den Spielplan. Axel Kober dirigiert - und ist gut eingearbeitet.

- © Susanne Diesner

© Susanne Diesner

Wien. Zugegeben: Auch "Star Wars" hat eine gewisse Vorarbeit für seine Liebe zu Richard Wagner geleistet. Mitte der 80er Jahre, Axel Kober war noch ein Teenager, hegte er ein Faible für die heroischen Raumschiff-Filme von George Lucas. Überhaupt trieben die Themen Heldentum und Sagenwelt den Jugendlichen um. "Deshalb war es dann auch ein Leichtes für Richard Wagner, mich anzusprechen. Die filmische Qualität seiner Musik, der Umgang mit Leitmotiven haben mich begeistert." Die Liebe zum deutschen Bühnen-Gigantomanen wurde aber durch noch einen Umstand begünstigt: Kober verbrachte seine Kindheit in der Kleinstadt Kronach, rund 40 Kilometer entfernt vom Wagner-Wallfahrtsort Bayreuth. Früh musikbegeistert, durfte er Festspielproben erleben und besuchte die dortige Musikschule.

Heute ist Kober selbst eine bewährte Kraft am Grünen Hügel: In den Vorjahren hat er Wiederaufnahmen des "Tannhäuser" und des "Fliegenden Holländer" geleitet. Auch Wagners Zentralmassiv, den "Ring des Nibelungen", hat er mit dem Taktstock beschritten - allerdings nicht in Bayreuth. Seit 2009 wirkt Kober als Generalmusikdirektor an der Deutschen Oper am Rhein und hat den mythischen Vierteiler dort zuletzt neu herausgebracht. Wobei man fast von einem "Doppelring" sprechen könnte. Die Rheinische Oper bespielt nämlich nicht nur eine Bühne, sondern neben jener in Düsseldorf eine weitere in Duisburg. Beide Häuser besitzen ihr eigenes Orchester, die Bühnenbilder wandern zwischen ihnen hin und her - was für eine gewisse Zeitverschiebung sorgt. In Düsseldorf wurde der neue "Ring" bereits im Herbst abgeschlossen, in Duisburg ist er erst bei der Hälfte angekommen. Dort harren der "Siegfried" und die "Götterdämmerung" noch ihrer Premiere und einiger Probenarbeit.


Nun schultert Kober die vier Abende in Wien: Die Staatsoper zeigt ab Dienstag einen Durchlauf in der bewährten, dezenten Regie von Sven-Eric Bechtolf. Hat Kober, der hier zuletzt "Hänsel und Gretel" verlässlich abgewickelt hat, den "Ring" gewissermaßen im kleinen Finger? "Das kann man bei so einem gewaltigen Werk nicht sagen. Aber ich bin momentan in dem Metier eingearbeitet, das beruhigt mich." Dieses Sicherheitsgefühl wird durch das Staatsopernorchester noch verstärkt. Kober: "Ein unglaublich toller Klangapparat mit immensen Fähigkeiten und einer langen Tradition. Sie spielen den ‚Ring‘ jedes Jahr und haben ihn im Blut." Insofern beunruhigt es ihn nicht, dass vor den vier Wiener Wagner-Abenden - Kobers erster "Ring" am Haus - keine Orchesterproben stattfinden. "Das Werk ist so gewaltig, dass eine Probe nur wenig brächte. Man könnte bloß einige Stellen anspielen. Zugleich würde sich eine gewisse Spannung verlieren. Da ist es mir lieber, die Musiker sitzen in der Aufführung konzentriert auf der Stuhlkante. Außerdem haben wir ja szenische Klavierproben. Dabei kann ich nicht nur mit den Darstellern arbeiten, sondern auch die Regie aus nächster Nähe kennenlernen."

Ballettchef an Wien verloren
Spätestens solche Sätze verdeutlichen: Kober ist ein Praktiker des Repertoirebetriebs. Apropos: Wie steht es um sein Stammhaus? Es ist nicht lang her, da waren die deutschen Mittelbühnen von Sparplänen bedroht. Schnee von gestern? Kober: "Abgeschlossen ist das Thema nie. Bei uns stand es einige Zeit auf der Kippe, ob wir womöglich das Duisburger Haus schließen müssen. Aber wir konnten das abwenden. Derzeit steht die Theaterehe der beiden Bühnen auf guten Füßen." Das liege nicht nur am Ende der Wirtschaftskrise: "Ein Opernhaus muss lebendig und relevant bleiben, neue Wege gehen. Wir beschäftigen uns stark mit dem Publikum von Morgen, betreiben Kinder- und Jugendarbeit, gehen in die Schulen. Und: Wir fördern Nachwuchssänger in einem Opernstudio." Wobei das offenbar so klaglos läuft, dass das Leitungsteam zuletzt eine Vertragsverlängerung bis 2024 erhielt. Nur einen neuen Ballettdirektor gilt es zu finden. Schließlich wandert Martin Schläpfer ab - um 2020 an der Seite von Neo-Staatsoperndirektor Bogdan Roščić in Wien zu beginnen.

Die "Ring"-Termine an der Staatsoper: "Das Rheingold" am 8. Jänner, "Die Walküre" am 12. Jänner, "Siegfried" am 16. Jänner und "Götterdämmerung" am 20. Jänner. Mit Tomasz Konieczny, Christopher Ventris, Catherine Naglestad, Iréne Theorin u. a.




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Dokument erstellt am 2019-01-04 17:47:14


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