Tatiana Serjan weiß als Maddalena ihren dunklen Sopran einzusetzen. - © Poehn
Tatiana Serjan weiß als Maddalena ihren dunklen Sopran einzusetzen. - © Poehn

Um Umberto Giordanos "Andrea Chénier" gerecht zu werden, braucht es einen glorreichen Tenor, eine fabelhafte Sopranistin und einen erstklassigen Bariton.

Gregory Kunde, Tatiana Serjan und Luca Salsi sind derzeit die Hauptfiguren dieser bewegenden Liebesgeschichte vor dem turbulenten Hintergrund der Französischen Revolution. Inmitten von Rolf Glittenbergs herrlich altmodischer Bühnendekoration ist Luca Salsi als Carlo Gérard der Glühendste des Trios - stimmlich wie darstellerisch. Souverän durchlebt er die einzelnen Seelenstationen: vom eifersüchtig Liebenden zum Geläuterten mit Gewissen.

Tatiana Serjan, die von beiden Protagonisten begehrte Maddalena, weiß ihren dunkel timbrierten Sopran geschickt einzusetzen. Gregory Kunde singt den Dichter Chénier mit wohldosierter Strahlkraft. Die Figur an sich verträgt ruhig noch mehr Leidenschaft und Intensität. Umberto Giordanos Meisterwerk verlangt auch ein starkes Ensemble. Einer klingenden Visitenkarte gleich ist die aktuelle Spielserie an der Wiener Staatsoper vor allem eine aussagekräftige Präsentation der hauseigenen Qualitäten. Lydia Rathkolb erfreut als stimmsichere Gräfin di Coigny, Virginie Verrez als agile Bersi mit kernigem Mezzo. Igor Onishchenko gefällt als Romancier Fléville. Thomas Ebenstein gibt einen famos widerlichen Spion. Wolfgang Bankl ist als Mathieu eine sichere Bank, ebenso wie Boaz Daniel als Roucher und Zoryana Kushpler als Madelon. Am Pult des Orchesters der Staatsoper verbindet Frédéric Chaslin kundig die italienischen Lyrismen mit der effektsicheren Durchschlagskraft des Verismo. Viva la morte insiem!