Im Sportoutfit eines Boxers, Rennfahrers oder einer Tennisspielerin und vielleicht eines B-Boys springen rund zehn Performer mit ihrer roten Springschnur. Der Körper ist dem Publikum zugewandt. Jeder der Tänzer hat sein eigenes Tempo, seinen eigenen Stil, verlässt die Bühne, kommt zurück und springt weiter. Irgendwann schlagen alle Schnüre gleichzeitig auf den Boden, um dann kurz darauf ihren gemeinsamen Rhythmus wieder zu verlassen. Individualität versus Gruppe - kein neues Thema.

Choreograf Ian Kaler bringt es gleich zu Beginn seiner Uraufführung von "On The Cusp" am Donnerstag im Tanzquartier Wien auf den Punkt: Es sind sehr unterschiedliche Charaktere, die sich vereint mit ihrer unglaublichen Präsenz und Bühnenkraft Cullbergbaletten nennt. 1967 von Birgit Cullberg gegründet, ist diese renommierte schwedische Kompagnie heute in der Position, die Choreografen selbst einzuladen, diesmal eben den Österreicher Ian Kaler: Er führt die 15 Tänzer einmal verspielt kindlich, wenn sie eine Kletterwand hochkraxeln oder sich im Zweikampf matchen, aber auch seelenlos in konzeptionellen Bewegungsdauerschleifen. Planningtorock aka Jam Rostron entwickelte dazu die Musikcollagen. Cullbergbaletten liefert ein Körperspektakel - Kaler eine Performance ohne die Komplexität einer Vielschichtigkeit.