Ein rotes Herz, das später erlöschen wird, leuchtet über der - von Marcus Ganser gestalteten - Bühne mit Mauerteilen, Säulen, Tonnen und Stacheldraht. Damit ist schon die nicht neue Kernaussage der aktuellen Produktion der Wiener Scala getroffen: Krieg zerstört Liebe, im Waffenlärm verschwindet die Humanität.

Der mehrmals erklingende Song "It’s not unusual" weist darauf hin, dass die eher triste Handlung von "Troilus und Cressida" nicht ungewöhnlich ist. Das Stück, eine Darstellung des Trojanischen Krieges aus eigenwilliger Perspektive, zählt nicht zu den Meisterwerken Shakespeares und wird daher selten gespielt. Bruno Max erzielt aber in seiner modernen Inszenierung - weder Waffen noch Kostüme sind antik - durchaus Wirkung, indem er nicht nur die Sinnlosigkeit dieses Schlachtens um "eine Hure und einen Hahnrei", sondern den Krieg und seine Protagonisten an sich attackiert. Da ziehen vorwiegend dümmliche, selbstgefällige "Helden" in den Kampf.

Im Schlussbild ist die Röte des Liebessymbols Herz jener des blutüberströmten Leichnams Hektors gewichen. Die Akteure machen durchwegs gute Figur und dürfen sich oft sogar in zwei - teils gegensätzlichen - Rollen bewähren. So mimt etwa Johanna Rehm plakativ Helena als Partyluder, aber auch mit Gefühl die um ihren Hektor besorgte Andromache. Gut differenzierte Akzente setzen auch Georg Kusztrich (Priamus und Agamemnon), Samantha Steppan (Cressida und Cassandra) und Leonhard Srajer (Paris und Thersites). Reichlicher, aber nicht überschwänglicher Premierenbeifall.