• vom 16.01.2019, 16:26 Uhr

Bühne

Update: 17.01.2019, 11:50 Uhr

Theaterkritik

Jenseits von Gut und Böse




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Von Petra Paterno

  • Das Theater der Jugend zeigt Dostojewskis "Schuld und Sühne".

(v.l.) Jakob Elsenwenger, Okan Cömert, hinten Claudia Waldherr.

(v.l.) Jakob Elsenwenger, Okan Cömert, hinten Claudia Waldherr.© Rita Newman (v.l.) Jakob Elsenwenger, Okan Cömert, hinten Claudia Waldherr.© Rita Newman

"Bist du schon als junger Mann angepasst?", diese Frage stellt der Schauspieler Jakob Elsenwenger zu Beginn der Vorstellung von "Schuld und Sühne" im Theater im Zentrum. Mit geschorenem Kopf, absichtsvoll zerfleddertem Mantel, abgewetzten Hosen, fahrigen Gesten und wirren Reden ist er es gewiss nicht. Eisenwenger verkörpert Raskolnikow, die Hauptfigur in Dostojewskis berühmtem Roman.

1866 erschienen, ist "Schuld und Sühne" laut Thomas Mann "der größte Kriminalroman aller Zeiten": Dem verarmten Studenten Raskolnikow gelingt durch Zufall der perfekte Mord an einer übel beleumundeten Pfandleiherin. Dostojewski geht nun der Frage nach, wie Raskolnikow damit fertig wird. Auch wenn er noch so hochfliegende Reden führt, die an Nietzsches Übermenschen gemahnen, in denen er sich von jeglicher Schuld freispricht, zerbricht er zunehmend an seiner blutigen Tat.

Information

Theater

Schuld und Sühne

Thomas Birkmeir (Regie)

Mit Jakob Eisenwenger u. a.

Theater im Zentrum

Wh.: bis 27. März

Turbulenzen

Obwohl Theater-der-Jugend-Intendant Thomas Birkmeir den handlungs- und figurenreichen Roman salopp eingekürzt hat, laboriert die Fassung immer noch an einer Überfülle an Szenen und Figuren. Noch weniger wäre wohl mehr gewesen.

Auf der bis auf wenige Versatzstücke leer geräumten Bühne (Bühnenbild: Andreas Lungenschmid), deren Gitterwände an Gefängniszellen erinnern, wechseln sich epische Szenen, in denen das Ensemble frontal ins Publikum spricht, mit dramatischen Miniaturen ab. Grundsätzlich ein bewährtes Stilmittel, um die Handlung voranzutreiben, allerdings geht dieser Schlagabtausch unterschiedlicher Spielweisen hier zu Lasten der reflexiven Szenen.

Jakob Elsenwenger hätte durchaus das Zeug, Raskolnikows Seelenqualen auf beeindruckende Weise darzustellen, kommt aber kaum dazu, die Rolle zu entfalten, weil sich rund um ihn dauernd Minidramen und Showdowns ereignen. Der Furor der großgedachten Inszenierung löst sich in Turbulenzen auf.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-16 16:38:29
Letzte Änderung am 2019-01-17 11:50:35



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