Kräftiger Klang: Stephen Gould als Siegfried. - © Staatsoper/Pöhn
Kräftiger Klang: Stephen Gould als Siegfried. - © Staatsoper/Pöhn

Generationskonflikte verursachen oft unschöne Auseinandersetzungen. Das Werden und Sich-Wandeln geht selten reibungslos vonstatten. Es birgt aber auch die Möglichkeit der Neugestaltung. Wotan kennt den bitteren Geschmack der Erkenntnis gut. An der Wiener Staatsoper gestaltet momentan Tomasz Konieczny diesen sich von der Macht verabschiedenden Göttervater mit beispielhafter Intensität. Markig der Stimmklang, auratisch das Auftreten mit einer betörenden Mischung aus hoheitsvollen Gesten und humanem Gebaren. Als Wanderer versucht er in Richard Wagners "Siegfried" immer wieder, den Gang der Geschichte zu manipulieren, ein "rollendes Rad zu hemmen".

Gebannt verfolgt man Wotans vier Dialoge: die Wissenswette mit Mime (überzeugend grotesk Herwig Pecoraro), die Begegnung mit dem entmachteten Gegenspieler Alberich (souverän Jochen Schmeckenbecher), die enttäuschende Altersabrechnung mit Urmutter Erda (stark Monika Bohinec) und schließlich das Aufeinandertreffen mit dem Enkel. Stephen Gould ist ein bewundernswert kraftvoller, viriler Siegfried, unbekümmerter Held und Antiheld zugleich. Nachdem er den Drachen (eindrücklich tönend Sorin Coliban) getötet, die Stimme des Waldvogels (silbrig Maria Nazarova) vernommen und Wotans Speer zerschlagen hat, ist der Weg zu Brünnhilde offen. Iréne Theorin scheidet die Wiener Geister. Ihr flackerndes, durchdringendes Timbre erntet Zustimmung und Ablehnung gleichermaßen.

Einhellig begeistert zeigt sich das Publikum vom "Ring des Nibelungen"-Dirigenten Axel Kober und dem in allen Instrumentengruppen grandios aufspielenden Orchester der Staatsoper. Im Anschluss an die Vorstellung wurde Konieczny auf offener Bühne zum Kammersänger ernannt.