Erfolgsproduktion in der Drachengasse: Michaela Bilgeri in "All das Schöne" mit Andreas Dauböck. - © Andreas Friess
Erfolgsproduktion in der Drachengasse: Michaela Bilgeri in "All das Schöne" mit Andreas Dauböck. - © Andreas Friess

"Wiener Zeitung": Drei von vier Vorstellungen werden von Männern inszeniert, mit fast 90-prozentiger Sicherheit bekommen die Zuschauer auch ein Stück von einem Mann zu sehen. Was läuft schief?

Veronika Steinböck:Diese Zahlen beziehen sich auf das Stadt- und Staatstheater, das nach wie vor sehr traditionell orientiert ist. In der freien Szene, in der wir tätig sind, schaut die Sache ganz anders aus. Im Kosmos gibt es seit jeher die Vereinbarung, dass das Leading-Team zu zwei Drittel aus Frauen bestehen soll. Dazu stehe ich weiterhin. Wir haben Vernetzungstreffen ins Leben gerufen, um Regisseurinnen zu stärken. Das heißt nicht, dass wir gegen Männer auftreten, im Kosmos arbeiten selbstverständlich Männer, aber wir wollen Frauen stärken. Auch bin ich gezielt auf der Suche nach Autorinnen, was zugegebenermaßen nicht ganz einfach ist. Von den Verlagen bekommt man eher Stücke von Männern zugeschickt als von Frauen. Hier etwas im Bewusstsein zu verändern, ist eine Herausforderung.

Veronika Steinböck, Schauspielerin und Regisseurin, kehrt nach 18 Jahren in Deutschland zurück nach Wien, seit 18/19 leitet sie das Kosmos Theater. - © apa
Veronika Steinböck, Schauspielerin und Regisseurin, kehrt nach 18 Jahren in Deutschland zurück nach Wien, seit 18/19 leitet sie das Kosmos Theater. - © apa

Beate Platzgummer: In der Drachengasse legen wir den Fokus auf Frauen, aber wir erklären das nicht zum Dogma.

Wie relevant sind Frauentheater heute noch? Ist eine Nischenbühne nicht kontraproduktiv, wenn die Branche um mehr Diversität ringt?

Katrin Schurich, Schauspielerin und Regisseurin, leitet als Nachfolge von Eva Langheiter seit 14/15 die Drachengasse mit Platzgummer. - © A. Friess
Katrin Schurich, Schauspielerin und Regisseurin, leitet als Nachfolge von Eva Langheiter seit 14/15 die Drachengasse mit Platzgummer. - © A. Friess

Katrin Schurich: Ich zitiere Emmy Werner, Gründerin des Theater Drachengasse: "Wenn vorne Frauen draufsteht, ist das erst recht wieder eine Diskriminierung." Wir wollen uns nicht in politischen Diskursen profilieren, uns geht es vielmehr um die tägliche Praxis.

Platzgummer: Wir pflegen einen Arbeitsstil, der sich von autoritären und patriarchalen Strukturen abgrenzt, wir arbeiten im Team, haben flache Hierarchien.

Beate Platzgummer, ist seit langem etwa für Bar & Co zuständig. Seit 2016 leitet sie als Nachfol ge von Johanna Franz mit K. Schurich die Drachengasse. - © A. Friess
Beate Platzgummer, ist seit langem etwa für Bar & Co zuständig. Seit 2016 leitet sie als Nachfol ge von Johanna Franz mit K. Schurich die Drachengasse. - © A. Friess

Schurich: Inhaltlich beschäftigen wir uns mit der ganzen Gesellschaft, wir lassen uns nicht auf vermeintliche "Frauen"-Themen reduzieren.

Steinböck: Begriffe wie "weiblicher Blick", "weibliche Ästhetik" oder "Frauenliteratur" mag ich überhaupt nicht. Da müssen wir dagegen arbeiten. Es geht immer um Menschen.

Große Momente in "Begehren", einem Stück der Theaterformation makemake im Theater Kosmos. - © Bettina Frenzel
Große Momente in "Begehren", einem Stück der Theaterformation makemake im Theater Kosmos. - © Bettina Frenzel

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