Alte Damen, die sich in Kriminalfälle verstricken, sind ein durchaus populäres Motiv. Man denke nur an Miss Marple oder ihre Nachfolgerin in 80er-Jahre-Schulterpolstern, Angela Lansbury in "Mord ist ihr Hobby". Nicht zuletzt die Wiener Kammerspiele haben schon auf den Charme von tattriger krimineller Energie gesetzt und mit "Arsen und Spitzenhäubchen" einen unterhaltsamen Publikumserfolg geschafft. Diesem Vorbild sollte wohl die neue Produktion "Ladykillers" folgen, allein der Funke wollte am Premierenabend am Donnerstag so gar nicht überspringen.

Das Stück ist eine Bearbeitung der gleichnamigen Filmkomödie aus dem Jahr 1955 mit Alec Guiness und Peter Sellers. Eine alte Dame, Mrs. Wilberforce, vermietet ein Zimmer ihres Hauses an einen distinguierten Professor, der dort mit vier Freunden das immergleiche Musikstück probt - was natürlich nur eine Tarnung ist, denn eigentlich arbeiten die fünf nicht an den Harmonien des Streichquartetts, sondern am Überfall eines Geldtransporters. Tatsächlich kommt die Musik aus einem Koffer-Grammophon. Und das Cello wird nur gebraucht, damit man die Beute dann unauffällig im Cello-Koffer abtransportieren kann. Dass das natürlich nicht reibungslos abläuft, können sich nicht nur jene denken, die den Film - und vielleicht sogar sein Remake mit Tom Hanks - gesehen haben.

Marianne Nentwich spielt die so verhuschte wie resolute Mr. Wilberforce. Sie bemüht sich redlich, die Schablone in Spitzenkragen mit Leben zu füllen. Die gar konservative Regie von Cesare Lievi und die Fassung von Elke Körver und Maria Caleita machen es ihr nicht leicht, ihre übliche Präsenz durchzusetzen.

Lahmes Plätschern

André Pohl ist der Ganoven-Professor Marcus, am Ende des Stücks kann er den Wahn des gescheiterten Meisterverbrechers mit der richtigen Dosis Verzweiflung vermitteln. Davor gelingt es leider weder ihm noch seinen Komplizen Siegfried Walther, Martin Zauner, Wojo van Brouwer und Markus Kofler, das Dahinplätschern der Handlung in ein zumindest kurzfristiges Aufwallen zu verwandeln. Regisseur Lievi scheint dem Missverständnis zu unterliegen, dass man schwarzen Humor so diskret gestalten muss, dass es gar nichts mehr zu lachen gibt. Das Tempo der Inszenierung ist selbst für einen absichtlichen Anachronismus zu entschleunigt, um Dynamik zu erzeugen. Die Pointen verstecken sich gut, man könnte fast meinen, sie werden auch vom heimlichen Star des Abends, dem Güterzug überfahren. Vielleicht war es ein Fehler, das Stück ohne minimale Modernisierungsidee in der Zeit und Anmutung des zugrundeliegenden Films zu belassen - die Bühne (Maurizio Balò), die von einer weißen Spitzenborte umkränzt ist, unterstreicht den Charakter des Altmodischen zusätzlich. Eine vergebene Chance - man hätte nicht zuletzt Marianne Nentwich eine bessere Schauspielerführung für diese potenzielle Kracherrolle gewünscht. Besser eine Folge "Mord ist ihr Hobby" schauen.