Kinderoper ist, wenn sich Erwachsene viele Gedanken machen und die Knirpse dann doch ihre eigenen Eindrücke mitnehmen. Im Theater Walfischgasse, von der Staatsoper bespielt, dürfte sie derzeit vor allem die Ausstattung begeistern (Florian Angerer): Kugelige Kreaturen im Schafspelz kriechen aus putzigen Kammern und treiben Morgensport. Diese Herdenwesen, die Enakos, werden von einem üblen Hirten gehütet: einer singenden Riesenkugel mit Militärkappe, dem Oberenako.

"Was ist los bei den Enakos?", die Neuheit von Kinderopernkomponistin Elisabeth Naske, dürfte ihre Zielgruppe anfangs erreichen. Die 60 Minuten schwingen sich dann aber zur demokratiepolitischen Lehrstunde auf. Lernziel: Jeder Mensch sollte die gleiche Freiheit besitzen; das kommunistische Dogma von der Gleichheit aller ist aber von Übel, weil es die Individualität negiert. Lässt sich diese Differenz Besuchern ab 6 Jahren, so die Altersempfehlung, erklären? Ela Baumann (Buch und Regie) versucht es mit allen kinderhandfesten Registern. Der Oberenako droht mit einem fiktiven Monster: Wenn ihr nicht brav gleich seid, holt euch der "Anderling"! Eine Freiheitskämpferin räumt dann auf mit diesem Schaf-Stalinismus.

Nicht nur der komplexe Inhalt hemmt das Verständnis, sondern auch die Akustik: Naskes Musik überdeckt, trotz aller handwerklichen Güte, im tückischen Kellersaal immer wieder die Sängerstimmen. Was bleibt? Neben den Schauwerten eine Handvoll charmanter Kindermelodien, lebhaft gesungen und mit reichlich Uraufführungsjubel bedacht.