Weiße Masken, weiße Möbel, weiße Türrahmen - die Farbe der Unschuld springt sofort ins Auge. Dabei zeigt die Freie Bühne Wieden in Reinhard Hausers ruhiger Inszenierung von Michael Frayns "Kopenhagen", wie die Wissenschaft, konkret die Physik, ihre Unschuld endgültig verliert.

Es geht um das bis heute Rätsel aufgebende Treffen der beiden Physik-Nobelpreisträger Niels Bohr und Werner Heisenberg im September 1941, mitten im Wettrennen der Deutschen und der Amerikaner um den Bau der ersten Atombombe. Im Stück sind die Hauptfiguren tot (daher zu Beginn und am Ende hinter Masken), als sie ihre Begegnungen, darunter die von 1941, in unterschiedlich erinnerten Varianten nachspielen.

Die atomare Bedrohung ist leider kein Thema zum Vergessen, sondern bleibend aktuell. Intendantin Michaela Ehrenstein setzte "Kopenhagen" aufgrund des Säbelrasselns zwischen Donald Trump und Kim Jong Un auf den Spielplan. Der als Komödienautor ("Der nackte Wahnsinn") bekannte Frayn hatte 1998 auch mit diesem Drei-Personen-Kammerspiel zur Geschichte der Physik großen Erfolg.

Gelacht wird hier kaum, am ehesten, als es um das unterschiedliche Tempo von Heisenberg und Bohr beim Skifahren geht. Klaus Haberl (Heisenberg) agiert konsequent nüchtern und emotionslos (man kann sich gut vorstellen, dass einst "007" Daniel Craig diese Rolle im Fernsehen spielte). Im Vergleich dazu liefert der ihm ebenbürtige Gerhard Dorfer (Bohr) wahre Gefühlsausbrüche. Michaela Ehrenstein (Margrethe Bohr) steuert eindringlich eine dritte, weibliche Perspektive bei.