Das Theater Brett in der Münzwardeingasse heißt jetzt Theater Arche. Jakub Kavin, Sohn von Nika Brettschneider und Ludvik Kavin, welche die Kleinbühne 1984 gegründet haben, eröffnet mit einer Stückentwicklung zum Thema Spitzensport. Textmaterial über und Zitate von Lance Armstrong, Robert Enke, Tonya Harding, Nicola Werdenigg (die bei der Premiere persönlich anwesend war und sich während eines Intermezzos für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch ausgesprochen hat) und vielen anderen verdichtet Regisseur Kavin für "Anstoß" zu einem zweieinhalbstündigen Sittenbild. Dieses Spiel dauert also weit über 90 Minuten. Hält seine Spannung aber fast bis zuletzt.

Später Abpfiff

Insgesamt 16 Spielerinnen und Spieler erzählen die unterschiedlichsten Sport-Biografien. Ineinander verschnitten und immer durch konkrete, choreografische Spielsituationen begleitet, entsteht ein höchst ambivalentes Bild einer Welt in der Erfolgsdruck, Doping und Machtmissbrauch ganz nah an Gänsehaut, Freude und Komik liegen. Atemlos wie ein Krimi geht’s von einem Unfall zum nächsten Erfolg. Die genau gearbeiteten Figuren liefern eine wuchtige Vielstimmigkeit. Leider kommt der Abpfiff zu spät. Die letzte halbe Stunde bemüht sich, Konsequenzen aus dem Leistungs-Wahnsinn zu ziehen, und liefert unausgegoren Allgemeines zum Thema Transhumanismus. Das fügt sich weder thematisch noch formal an den sonst so formidablen Abend.