Lopachin ruft nach den Musikanten. Der ehemalige Leibeigene hat soeben das Gutshaus samt Kirschgarten ersteigert. Schauspieler Jens Claßen lässt die Stimmung zwischen fröhlicher Veränderung und Weltuntergang vibrieren. Lopachin wird die Kirschbäume abholzen, Ferienhäuschen bauen und den Grund lukrativ verpachten. Wird also tun, was die Gutsbesitzerin Ranjewskaja aus Wankelmut, Überdruss, Melancholie nicht zu tun imstande war: "Versetzen Sie sich doch in meine Lage. Ich bin doch hier geboren. Ohne den Kirschgarten würde ich mein ganzes Leben nicht verstehen", sagt Michaela Kaspar und zieht den Seidenschal um den Hals und zieht den Seidenschal wieder weg.

Regisseur Arturas Valudkis filetiert Anton Tschechows "Der Kirschgarten" und serviert seine Textfassung "Kirschgarten. Eine Komödie ohne Bäume" als endloses, übergangsloses Gespräch. Das sechsköpfige Ensemble übernimmt acht Rollen. Eine schwerfällige Gesellschaft von unverbundenen Individuen, alle ausgestattet mit eigentümlichen Ticks.

Da wäre zum Beispiel Charlotta, die Gouvernante, die Karola Niederhuber einen imaginären Hund füttern und gegen Fensterrahmen laufen lässt. Oder Firs, der alte Diener, den Raphael Nicholas immer alles als Frage formulieren lässt. Mittels kleiner, feiner Körper- und Geräusch-Komik verlebendigt Valudkis die starren Zustände. Wenn diese Ideen überhandnehmen, dann geht der Inszenierung der Faden verloren und die Spannung obendrein.