Wien. Und wieder ist sie in den Fotogalerien gelandet. Die schönsten Roben vom Wiener Philharmonikerball? Da durfte heuer auch ein Bild von Olga Peretyatko nicht fehlen, umschmiegt von rotem Tuch. Es ist nicht das erste Mal, dass die Opernsängerin - "Diva", wie sie der Boulevard nennt - die Blicke in der Wiener Tanzsaison auf sich zieht. 2016 ließ sie ihren Sopran zur Eröffnung des Opernballs leuchten, mit der Legende Plácido Domingo an ihrer Duettseite.

Ein Faible für das Tanzparkett scheint die Russin aber nicht zu hegen. Mehr als diese beiden Bälle habe sie nicht besucht, erzählt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", das philharmonische Fest habe sie schon nach eineinhalb Stunden verlassen. Aber nicht aus Langeweile, sondern aus dienstlichen Verpflichtungen: Am nächsten Vormittag war eine Probe zu absolvieren. Peretyatko ist ja vor allem in Wien, um diesen Samstag die Protagonistin in der Staatsopernpremiere von Donizettis "Lucia di Lammermoor" zu singen.

"Habe so ziemlich alles in meinem Leben geändert"

Auf den ersten Blick scheint alles ähnlich wie im Jahr 2016: Wieder lässt Peretyatko ihren geschmeidigen Sopran in Wien hören, wieder beschäftigt sie en passant ein wenig die Gesellschaftskolumne. Und doch: "Seit damals hat sich so ziemlich alles in meinem Leben verändert", erzählt Peretyatko. "Ich habe die Agentur gewechselt, ich wohne woanders - nicht mehr in Berlin, sondern in Luzern -, und ich habe mich von meinem Mann getrennt. Es geht mir jetzt wirklich gut. Ich glaube, ich bin ein besserer Mensch und Künstler geworden, das eine hat ja mit dem anderen zu tun. Alles ist besser."

Dabei sei ihr die Veränderung nicht leicht gefallen: "Ich glaube, je älter man wird, desto mehr will man die Dinge so belassen, wie sie sind; die Angst vor dem Ungewohnten steigt. Aber der Mut zum Wandel ist wichtig. Es geht im Leben doch vor allem um eines: sich selbst zu finden und den eigenen Wünschen zu folgen, statt denen der Mutter; Entscheidungen müssen bewusst getroffen werden. Ich fürchte aber, das tun nur die wenigsten." Peretyatko, 38, hat zuletzt offenbar gründlich über ihre eigene Lebensrolle nachgedacht. "Ich bin im Vorjahr ziemlich lebensphilosophisch geworden", sagt sie mit einem Lächeln. "Wenn ich nicht Opernsängerin wäre, würde ich Psychologin sein."

Zum gereiften Selbstbild passt das Foto auf der neuen CD: Peretyatko hat ihr Mädchenlächeln darauf abgelegt und gegen eine ernstere Eleganz getauscht. "Mozart+" heißt das Album, das gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Basel entstanden ist und am 8. Februar bei Sony Classical erscheinen wird. Vordergründig geht es natürlich um den Salzburger Genius und seine Zeitgenossen, "es ergeben sich aber auch Bezüge zu meiner Lebensgeschichte", erzählt die Sängerin. Letzteres etwa durch die Musik von Vicente Martín y Soler und Giovanni Paisiello, beide einst beruflich verbunden mit Peretyatkos Geburtsort, nämlich St. Petersburg. "Ich singe aber auch Arien der Konstanze aus Mozarts ‚Entführung‘; die Rolle begleitet mich, seit ich an der Berliner Hochschule studiert habe."