• vom 08.02.2019, 17:09 Uhr

Bühne

Update: 08.02.2019, 17:21 Uhr

Opernkritik

Draufgehen mit Dringlichkeit




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Von Christoph Irrgeher

  • Ein Ereignis: Piotr Beczała feierte sein Weltdebüt als Cavaradossi in der Wiener "Tosca" und fand in Thomas Hampson einen reizvollen Gegner.

Ein bravouröser Klangmaler: Piotr Becza a als todgeweihter Cavaradossi an der Wiener Staatsoper.

Ein bravouröser Klangmaler: Piotr Becza a als todgeweihter Cavaradossi an der Wiener Staatsoper.© Wiener Staatsoper/Michael Pöhn Ein bravouröser Klangmaler: Piotr Becza a als todgeweihter Cavaradossi an der Wiener Staatsoper.© Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

"Ende: 21.45 Uhr", hieß es auf dem Abendzettel. Das war spätestens dann zu vergessen, als Piotr Beczała die Bravour-Arie "E lucevan le stelle" gesungen hatte. Was folgte, war ein Perpetuum mobile in Applausform. Beifall und Jubel wogten durch den Luftraum der Staatsoper und ließen über Minuten kein Anzeichen der Ermattung erkennen. Es grenzt an ein Wunder, dass der "Tosca"-Spielbetrieb dann doch irgendwann wieder aufgenommen werden konnte und der Abend an sein tragisches Ende gelangte.

Gewiss: Piotr Beczała ist ein Weltstar, sein bloßes Erscheinen zieht Begeisterung nach sich. Der polnische Parade-Tenor genießt diesen Status jedoch nicht von ungefähr. Können, Charisma, aber auch Köpfchen haben ihn an die Spitze geführt. Diese Tugenden brachten ihm nun einen weiteren Triumph ein: Sein Weltdebüt als Cavaradossi überzeugte nicht nur durch gewohnte Strahlkraft. Der 52-Jährige hat wohl auch an der vokalen Linienführung gearbeitet. Kleine Schluchzer, Schleifer? Darf es bei Beczała auch geben, sie setzen der Heldenrolle ein i-Tüpfelchen an Inbrunst auf. Schlampigkeiten gestattet sich dieser Cavaradossi aber nicht: Was Puccinis Leinwandkünstler hier singt, ist mit sensiblem und sicherem Strich in den Äther gemalt. Vor allem im dramatischen Augenblick leistet Beczała Stupendes: Die Innenspannung seiner Phrasen bringt Klangschönheit und Dringlichkeit zur Deckungsgleichheit; die "Vittoria"-Rufe dieses Tosca-Liebhabers suchen ihresgleichen, während er das Kinn kühn dem Kontrahenten entgegenreckt.

Information

Oper

Tosca

Wh.: 10., 14., 17. Februar

Heißsporn gegen Dandy

Dass dieser Schurke von Thomas Hampson verkörpert wird, ist eine reizvolle Lösung: Dem herzensguten Heißsporn steht damit ein düsterer Dandy gegenüber. Stimmt zwar: Hampson singt den Polizeichef Scarpia mit schwammiger Tongebung. Seine schelmische Noblesse aber verleiht der Figur Abgründe: Wie ein James-Bond-Bösewicht wischt er Drohungen mit einem amikalen Lächeln weg. Dieser Scarpia weist hier und da aber auch dröhnend darauf hin, dass unter seinem Glacéhandschuh-Benehmen eine Eisenfaust steckt und er sich Begehrtes mit nackter Gewalt unterwirft.

Womit wir bei Floria Tosca wären, der Titelheldin. Am Donnerstag stand sie nicht im Zentrum, führte dem Abend in der betagten Margarethe-Wallmann-Regie (606. Aufführung!) aber Energie zu. Sondra Radvanovsky besitzt einen treffsicheren Sopran und vermag damit selbst dichte Klangwände zu durchdringen - was ihr bravourös gelang, als Dirigent Marco Armiliato zunehmend in die Vollen ging. Wohl wahr: Das Orchester blieb unter seinen Schönheitsmöglichkeiten. Nicht aber unter seinen dramatischen: Während Scarpia, Cavaradossi und Tosca das Zeitliche segneten, brachen im Orchestergraben alle Dämme der Intensität - ein Ereignis, bis nach 22 Uhr gefeiert.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-08 17:14:08
Letzte Änderung am 2019-02-08 17:21:33



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