• vom 11.02.2019, 16:42 Uhr

Bühne

Update: 11.02.2019, 17:02 Uhr

Kritik

"The Gershwins‘ Porgy and Bess" mit wenigen Zutaten und viel Geschmack




  • Artikel
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Malina Meier

  • Viel Jubel für die konzertante Aufführung von George Gershwins Oper "Porgy and Bess" in der Volksoper.

In den Titelrollen: Melba Ramos und Morris Robinson. - © Barbara Pálffy

In den Titelrollen: Melba Ramos und Morris Robinson. © Barbara Pálffy

Eine Oper aufzuführen ist nicht schwer: Man nehme eine dramatische Liebesgeschichte, ein Orchester, einen Chor, rund 15 Solistinnen und Solisten, einen erfahrenen Dirigenten, und dazu Musik aus Oper, Jazz und Gospel.

Und schon hat man "The Gershwins‘ Porgy and Bess" in der konzertanten Aufführung an der Volksoper Wien. Am 10. Februar feierte das Ensemble rund um Dirigent Joseph R. Olefirowicz die gelungene Premiere von George Gershwins Oper, die auch ohne Extra-Zutaten wie Kostüme und Requisiten allein durch die musikalische Leistung zu einer wahren Delikatesse wurde.

Information

Oper
The Gershwin‘s Porgy and Bess
Volksoper, Wh.: 14., 18., 22. Feb.

Morris Robinson, der als Porgy an der Volksoper debütierte, überzeugte mit kraftvollem und voluminösem Bass und großartiger Bühnenpräsenz. Seine Performance des Evergreens "I Got Plenty o‘ Nuttin‘" geriet zu einem Höhepunkt des Abends, der einzig von seiner durch dunkle Vokalfarben schwer verständlichen Artikulation getrübt wurde. Mit klangvoller und dynamisch changierender Stimme wurde auch Melba Ramos‘ Präsentation der Bess zu einem wahren Genuss, mit farbenreichem Ausdruck und brillanter Höhe. Und auch im Duett ergänzten sich die beiden stimmlich scheinbar so disparaten Hauptcharaktere erstaunlich gekonnt. Volksopern-Debütant Lester Lynch punktete in seiner Darbietung des Bösewichts Crown mit voluminöser und facettenreicher Stimme und insbesondere durch sein freies (da komplett ohne Noten), körperliches (auch mal mit einer kleinen Tanzeinlage) und interaktives Spiel (immer mit einem überzeugenden süffisanten Lachen). Wer aufgrund der konzertanten Aufführungssituation um das dramatische Element fürchtete, wurde durch den geringen, dafür aber gezielten Einsatz von Lichteffekten und die szenische Interaktion bis in die Nebenrollen zufriedengestellt. So gelangen Ray M. Wade Jr. als Sporting Life mit weichem Timbre, Ben Connor als Jake mit sonorer Tiefe, als auch Julia Koci als Serena und Rebecca Nelsen als Clara mit klarem Sopran in weiteren Rollen überzeugende Darbietungen.

Ein Highlight des Abends: Bongiwe Nakanis Volksopern-Debüt als Maria, trotz unfallbedingtem Gipsbein, weshalb sie ihre Rolle nur im Sitzen präsentieren konnte, mit vollem Stimmklang in der tieferen Lage sowie klanglich reinen Höhen und körperlich ausdrucksstarkem Spiel.

Das Orchester der Volksoper als Hauptzutat bildete in tadelloser Abstimmung mit dem Gesangensemble eine gelungene Basis. Mit Ausnahme der intonatorisch etwas unsauberen und in den Einsätzen ungenauen Orchestereinleitung zum dritten Akt, glückte die Verbindung von Orchester, Solistinnen und Solisten und dem rundum überzeugenden Chor (Einstudierung: Thomas Böttcher). Dirigent Joseph R. Olefirowicz hielt alle Mitwirkenden gekonnt zusammen und führte mit präzisem Taktschlag, genauen Tempowechseln und einer tiefen Durchdringung des Gesamtwerks durch den Abend. Wie eine Prise Salz gab sein Mitwirken beim szenischen Spiel dem Ganzen noch das gewisse Etwas.

Und so gelang mit nur wenigen, dafür aber gekonnt aufeinander abgestimmten Zutaten eine mitreißende und kurzweilige Aufführung, die das Konzertpodium zur Opernszenerie verwandelte und ein von Musik erfülltes, tosenden Applaus spendendes Publikum hinterließ.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-11 16:50:14
Letzte Änderung am 2019-02-11 17:02:38



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wie weit darf Kunst gehen?
  2. Der Herr des Rings
  3. Neuer Träger des Iffland-Rings ist noch geheim
  4. Ein Ritt mit dem Teufel
  5. Karl Lagerfelds unermüdlicher Gestaltungswille
Meistkommentiert
  1. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
  2. Unsoziale Medien
  3. Brexit-Erzählungen
  4. "Fernsehen bietet plötzlich Kinostoffe"
  5. Mit Facebook im Bett

Werbung



Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung