Eine Oper aufzuführen ist nicht schwer: Man nehme eine dramatische Liebesgeschichte, ein Orchester, einen Chor, rund 15 Solistinnen und Solisten, einen erfahrenen Dirigenten, und dazu Musik aus Oper, Jazz und Gospel.

Und schon hat man "The Gershwins‘ Porgy and Bess" in der konzertanten Aufführung an der Volksoper Wien. Am 10. Februar feierte das Ensemble rund um Dirigent Joseph R. Olefirowicz die gelungene Premiere von George Gershwins Oper, die auch ohne Extra-Zutaten wie Kostüme und Requisiten allein durch die musikalische Leistung zu einer wahren Delikatesse wurde.

Morris Robinson, der als Porgy an der Volksoper debütierte, überzeugte mit kraftvollem und voluminösem Bass und großartiger Bühnenpräsenz. Seine Performance des Evergreens "I Got Plenty o‘ Nuttin‘" geriet zu einem Höhepunkt des Abends, der einzig von seiner durch dunkle Vokalfarben schwer verständlichen Artikulation getrübt wurde. Mit klangvoller und dynamisch changierender Stimme wurde auch Melba Ramos‘ Präsentation der Bess zu einem wahren Genuss, mit farbenreichem Ausdruck und brillanter Höhe. Und auch im Duett ergänzten sich die beiden stimmlich scheinbar so disparaten Hauptcharaktere erstaunlich gekonnt. Volksopern-Debütant Lester Lynch punktete in seiner Darbietung des Bösewichts Crown mit voluminöser und facettenreicher Stimme und insbesondere durch sein freies (da komplett ohne Noten), körperliches (auch mal mit einer kleinen Tanzeinlage) und interaktives Spiel (immer mit einem überzeugenden süffisanten Lachen). Wer aufgrund der konzertanten Aufführungssituation um das dramatische Element fürchtete, wurde durch den geringen, dafür aber gezielten Einsatz von Lichteffekten und die szenische Interaktion bis in die Nebenrollen zufriedengestellt. So gelangen Ray M. Wade Jr. als Sporting Life mit weichem Timbre, Ben Connor als Jake mit sonorer Tiefe, als auch Julia Koci als Serena und Rebecca Nelsen als Clara mit klarem Sopran in weiteren Rollen überzeugende Darbietungen.

Ein Highlight des Abends: Bongiwe Nakanis Volksopern-Debüt als Maria, trotz unfallbedingtem Gipsbein, weshalb sie ihre Rolle nur im Sitzen präsentieren konnte, mit vollem Stimmklang in der tieferen Lage sowie klanglich reinen Höhen und körperlich ausdrucksstarkem Spiel.

Das Orchester der Volksoper als Hauptzutat bildete in tadelloser Abstimmung mit dem Gesangensemble eine gelungene Basis. Mit Ausnahme der intonatorisch etwas unsauberen und in den Einsätzen ungenauen Orchestereinleitung zum dritten Akt, glückte die Verbindung von Orchester, Solistinnen und Solisten und dem rundum überzeugenden Chor (Einstudierung: Thomas Böttcher). Dirigent Joseph R. Olefirowicz hielt alle Mitwirkenden gekonnt zusammen und führte mit präzisem Taktschlag, genauen Tempowechseln und einer tiefen Durchdringung des Gesamtwerks durch den Abend. Wie eine Prise Salz gab sein Mitwirken beim szenischen Spiel dem Ganzen noch das gewisse Etwas.

Und so gelang mit nur wenigen, dafür aber gekonnt aufeinander abgestimmten Zutaten eine mitreißende und kurzweilige Aufführung, die das Konzertpodium zur Opernszenerie verwandelte und ein von Musik erfülltes, tosenden Applaus spendendes Publikum hinterließ.