• vom 12.02.2019, 16:18 Uhr

Bühne

Update: 12.02.2019, 16:34 Uhr

Interview

Theateruniversum zwischen Klofrau und Burgstar




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Von Petra Paterno

  • Der Filmemacher Hans Andreas Guttner lüftet erste und letzte Theatergeheimnisse.

Backstage im Akademietheater: letzte Vorbereitungen zu "Hotel Europa".

Backstage im Akademietheater: letzte Vorbereitungen zu "Hotel Europa".

Hans Andreas Guttner.

Hans Andreas Guttner.© Prieler Hans Andreas Guttner.© Prieler

Hans Andreas Guttner entwirft in seinem jüngsten Film "Die Burg" eine faszinierende Chronik des Alltags eines Theaterbetriebs. Der Wiener Dokumentarfilmer hält darin unerwartete Einsichten über das Bühnenleben bereit.

"Wiener Zeitung":Was interessiert Sie am Burgtheater?

Information

"Die Burg"
von Hans Andreas Guttner ab Freitag, 15. Februar in den Kinos.

Hans Andreas Guttner: Ich bin in Feld am See aufgewachsen, einem Kärntner Bergbauerndorf, zwei Mal im Jahr habe ich meine Großmutter in Wien besucht. Wir sind jeden Tag ins Café Eiles gegangen und jeden Abend ins Theater. Das Burgtheater war für mich damals die ganz große Welt.

Wie würden Sie Ihre Herangehensweise beschreiben?

US-Regisseur Frederick Wiseman hat mich inspiriert. Seine Filme funktionieren ohne "talking heads", ohne Experteninterviews, ohne Musik, die alles zumüllt, ohne Kommentare aus dem Off - also gänzlich anders, als wir es etwa von Fernsehdokumentationen kennen. Mit dieser offenen Herangehensweise habe ich versucht, der Realität des Burgtheaters möglichst nahe zu kommen und das sonst Unsichtbare des Theaters zu zeigen. Das war unglaublich arbeitsintensiv, man dreht wahnsinnig viel, hat endlos Material und der Schnitt dauert ewig. Wir waren sicher sechs bis acht Monate nur im Schneideraum.

Was hat Sie bei Ihrer Entdeckungsreise am meisten überrascht?

Die Intelligenz der Schauspieler. Ich war hin und weg, wie intensiv sich die Schauspieler bei den Proben - wir waren bei der Leseprobe von Ayad Akhtars "Geächtet" dabei - mit ihren Dialogen auseinandersetzen, alles hinterfragen, mit jeder Szene ringen. Es wäre sensationell, wenn das Burgtheater Probentage öffentlich zugänglich machen würde. Es gibt nichts Spannenderes. Die Leidenschaft der Schauspieler, hat mich wirklich beeindruckt.

Dabei spricht Nicholas Ofzcarek in Ihrem Film darüber, wie schwierig er Probensituationen häufig findet.

Dass gerade ein so bekannter Schauspieler auch von Ängsten und Selbstzweifeln spricht, fand ich sehr ehrlich. Das war mir wichtig. Ich wollte nicht nur Schönmalerei und Lobhudelei betreiben.

Wo bleibt bei Ihnen eigentlich der Mythos des Burgtheaters?

Der bleibt absichtlich außen vor. Ich wollte das Pathetische und Erhabene zurückdrängen, mir ging es vielmehr um den Arbeitsalltag. Dabei ist die Klofrau und der Garderobier, der Lichttechniker und die Perückenmacherin genauso wichtig wie die Schauspieler und Regisseure.

Wie schätzen Sie den Stellenwert des Dokumentarfilms heute ein?

Als ich in den 1970er Jahren anfing, haben es vielleicht zwei Dokus im Jahr ins Kino geschafft, heute können sie mehr als 100 sehen. Filme von Michael Moore erreichen weltweit ein großes Publikum. Der Dokumentarfilm hat enorm an Anerkennung gewonnen und ist weiterhin ganz groß im Kommen.

Mit Ihrer Doku-Reihe "Europa ein transnationaler Traum" haben Sie in den 1970er Jahren bereits das Thema Migration aufgegriffen. Hat das Motto heute noch Gültigkeit?

Für viele gilt es noch, für andere leider nicht mehr. Aber ungeachtet sämtlicher Schwierigkeiten gibt es meiner Meinung nach keine Alternative zu einem geeinten Europa. Die EU ist ein einzigartiges Friedensprojekt, mit hohen sozialen Standards, wenn wir das aufs Spiel setzen und der Nationalismus sich erneut Bahn bricht, dann Gute Nacht.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-12 16:30:18
Letzte Änderung am 2019-02-12 16:34:59



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